Von F. J. Weale

Wenn nicht die dunklen Farben tragischer Entwicklung immer wieder im politischen. Mosaik der arabischen Ölfelder überwiegen würden, könnte man zeitweise bei den ans Groteske grenzenden Episoden verweilen, welche sich an den verschiedenen Fronten der Ölinteressen im Mittleren Osten abspielen. Wegen eines Rohstoffes, der zur Zeit anerkanntermaßen an Überproduktion leidet, und um dessen Produktionsstätten trotzdem ein leidenschaftlicher Kampf geführt wird, haben sich eigenartige Gruppen gebildet, die zwar jede für sich verschiedene Absichten verfolgen, gleichzeitig aber vorgeben, doch ein gemeinsames Ziel zu haben – die "Freiheit" des Ölscheichtums von Kuweit am Persischen Golf.

Da ist die Front der arabischen Ölstaaten, zu der sich in diesem Falle der Irak des Generals Kassem nicht zählt, denn er möchte das Öl Kuweits mit dem seinigen vereinigen.

Da ist die russische Front, die sich eingenebelt hat, weil ihre Moskauer Hintermänner es vorläufig vorziehen, ihr Pulver nicht zu verschießen.

Da ist die eigenartige Kombination einer chinesich-indischen Front. Zwar bestehen zwischen Peking und New Delhi sonst unüberbrückbare Gegensätze. Aber in puncto Ansprüche des Irak versichern sie dem Scheich Abdullah Salem el Sabbah, daß sie für die Unabhängigkeit Kuweits eintreten, wenn auch die "Freiheit", die jeder von ihnen meint, verschieden ist.

Schließlich sind da die zwei derzeit im Vordergrund des kalten ölkrieges stehenden Fronten des auf Kuweit Anspruch erhebenden Irak und der Interessen der großen Ölkonzerne des Westens, die im heutigen Konflikt politisch und nun auch militärisch durch Großbritannien vertreten werden. Obschon der Irak in seinen Ansprüchen isoliert ist, bedeutet dies natürlich keineswegs, daß die Gegner unter sich einig wären, wie der Griff General Kassems nach den Kuweitschen Ölfeldern abgewiesen werden, soll. Die militärische Intervention Großbritanniens lehnen alle ab, obgleich sie auf Wunsch des Scheichs Abdullah erfolgt ist. Hierbei wird übersehen, daß eine kleine Sonderaktion. dieser Art auch von Saudi-Arabien unternommen wurde, wobei sich wiederum eine groteske Erscheinung gezeigt hat.

Saudi-Arabien hat vor langer Zeit die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien abgebrochen. Der Grund sind saudi-arabische Ansprüche auf Ölfelder in den sogenannten "Vertragsstaaten" am Persischen Golf, die nominell unabhängig sind, aber unter britischem Vertragsschutz stehen. Der Streit reicht in dieZeiten des Ottomanischen Reiches zurück, als noch kein Öl oder gar ein kalter Handelskrieg die Welt beunruhigten. Damals leisteten einige Nomadenhäuptlinge Tribute an die Saudi-Arabien in Riyadh und hieraus wurden Ansprüche auf das Tribut leistende Gebiet – besonders auf die Oase Buraimi – abgeleitet. Diese Forderungen verstärkten sich, als die Vermutung, in dieser Oase wären bedeutende Ölquellen verborgen, fast zur Gewißheit geworden war.