Es gibt die berühmten Doppelbegabungen, denen der Pinsel so gehorsam war wie das Wort: Michelangelo oder Stifter oder E. T. A. Hoffmann. Manche rechnen sogar Goethe dazu, weil er ein Skizzenbuch vollgezeichnet hat.

Nach ähnlichem Ruhm greift Bele Bachem, bekannt als Illustratorin, Porzellanbemalerin, Werbegraphikerin. Sie hat ein Buch vollgeschrieben und ihm einen attraktiven Titel gegeben –

Bele Bachem: "Ausverkauf im Wind"; Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln; 157 S., 14,80 DM.

Sie hat versucht, ihre eigenen Zeichnungen in Traum-Geschichten zu übertragen, krause Striche in krause Sätze. Sie zeichnet gern surrealistisch; doch um ihre Bilder geht es hier gar nicht, sondern um die beliebte und offenbar auch von ihr gehegte Absicht: "Malen muß man lernen – schreiben kann jeder!", die Bele Bachem dazu verführt hat, surrealistisch erzählen zu wollen.

Sie muß sich helfen mit vielen "Als-ob" und "Wie" und "Gleichsam", mit Binsenwahrheiten und Bildern aus psychotherapeutischen Lehrbüchern; sie landet bei Stilblüten und Sentimentalismen, gerät in die Fallstricke der Sprache, die ihr mit Slangausdrücken zu dienen vorgibt und sie zu ungraziösen Derbheiten verleitet.

Zwanzig Geschichten ohne rechten Inhalt – zum Schluß hat man keine behalten und sich bei allen gelangweilt.

Um noch einmal auf Goethe zu rüdezukommen: Bei ihm heißt es in einem Vorspruch: Bilde Künstler! Rede nicht! Sybil Gräfin Schönfeldt