STUTTGART (Schauspielhaus):

"Die Journalisten" von Gustav Freytag

Das Lustspiel, das einst zu den klassischen Exemplaren seiner Gattung in Deutschland gezählt wurde, dann aber in den Hintergrund geriet, erwies unverminderte Zugkraft in einer Inszenierung von Dietrich Haugk. Der ehemalige Stuttgarter Schauspieldirektor lief; seiner Lust am Gag freien Lauf und heimste mit seinen Einfällen viel Szenenapplaus ein. Im Text nahm Haugk Striche und Aktualisierungen vor und ließ einem Kritiker auf der Bühne eine Ohrfeige versetzen. In den Hauptrollen Lieselotte Rau als aristokratische Adelheid, Heinz Baumann als weltmännischer Konrad Bolz, Hans Hermann-Schaufuß als Schmock.

KASSEL (Staatstheater):

"Die schwarze Spinne" von Willy Burkhard

Der 1955 verstorbene Schweizer Komponist Willy Burkhard (nicht zu verwechseln mit dem "Feuerwerk"-Komponisten Paul Burkhard) hatte 1949 in Zürich mit seiner einzigen Oper wenig Erfolg. Da auch eine Neufassung für Basel 1954 nicht durchdrang, hat Paul Schmitz, der jetzt die deutsche Erstaufführung in Kassel dirigierte, eine durchgreifende dramaturgische Bearbeitung vornehmen lassen. Reinhold Schubert, der Chefdramaturg der Deutschen Oper am Rhein, verhalf damit dem Werk, das auf der Pestnovelle von Jeremias Gottheit basiert, zu erfolgversprechendem Bühnenleben. Schubert erwies sich als Gast in Kassel zugleich als ein bemerkenswerter, die Szene aus den musikalischen Werkelementen prägender Regisseur.

In solcher Bühnenform offenbarte sich die Qualität von Burkhards Musik. Sie verschmilzt in persönlicher, charaktervoller Weise überlieferte Formen des Barock und des Liedes mit der freien Tonalität moderner Schreibweise. Sie ist sangbar, besonders im Chorsatz scharf profiliert, doch weniger opernhaft-dramatisch. (Heinrich Sutermeister hat denselben Stoff vor Burkhard bereits zu einem Opereinakter geformt.) Die Kasseler Einstudierung, für die Ekkehard Grübler eine Simultanbühne entworfen hatte, fand starke Resonanz.