Die Leiter des Internationalen Schulbuchinstituts in Braunschweig haben es nicht leicht, auf ihren nahezu jährlichen Tagungen in Verbindung mit verschiedenen Ländern nach angestrengten Diskussionen ein Ergebnis in die Hand zu bekommen, das dann nur in die Wirklichkeit umgesetzt werden muß.

Die Frage in diesem Jahr lautete: Was steht in den englischen und deutschen Unterrichtsbüchern für die Oberstufe der Höheren Schulen über Amerika? Deutsche und amerikanische Lehrer und Professoren trafen sich (das fünfte Mal seit 1953), um die literarischen oder allgemeinen Texte, die den Schülern einen Eindruck von den USA geben sollen, zu überprüfen; das Amerika-Bild der deutschen Geschichtsbücher hatte man bereits viermal seziert.

Das Ergebnis: daß es wenig und schlecht ist, was die deutschen Textbücher über Amerika zu bieten haben. Das "wenig" gestanden die amerikanischen Teilnehmer den deutschen Herausgebern als ihre Angelegenheit zu, wenn auch der verständliche Wunsch da war, daß bald mehr amerikanische Literatur – gegenüber dem großen Anteil der englischen – in die Schulbücher aufgenommen werden möge.

Um das "schlecht" ist es schwieriger bestellt. Professor Hagopian, zur Zeit Dozent für amerikanische Literatur in Saarbrücken, sagte es deutlich: Die deutschen Textbücher böten nicht nur eine schlechte Auswahl der Literatur an sich, sondern auch ein einseitiges – oft zu primitives, zu naives oder zu brutales – Bild der Vereinigten Staaten. "Wir wollen kein schönfärberisches, sondern ein wahres Bild", meinte Hagopian.

Die deutschen Konferenzteilnehmer, die fast alle ein Jahr im Austausch in den USA unterrichtet hatten, stimmten mit Bedauern zu und wiesen auf zwei weitere schwache Punkte hin: Erstens, daß die Lehrpläne der Länder keine angemessene Behandlung der amerikanischen Literatur verlangen; zweitens, daß die Lehrkräfte selbst meist nicht genügend vorgebildet sind.

So kam man überein, die Lehrer auf jährlichen Amerikastudien-Tagungen und auch schon während ihrer Hochschulausbildung mit Literatur, Geschichte und Zivilisation der Vereinigten Staaten intensiver vertraut zu machen; weiter darauf hinzuwirken, daß die Lehrpläne den USA eine großzügigere Behandlung zuteil werden lassen; und darüberhinaus wenn möglich ein Textbuch für Lehrer herauszugeben, das sie zu kritischem Gebrauch der anderen Schulbücher anleiten kann. Nach und nach wäre dann vielleicht zu erreichen, daß das Land, von dem unser aller Geschick abhängt, auch in den Schulen die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit findet. Ingeborg Bode