Chruschtschow verzichtete diesmal darauf, seine Generalsuniform anzulegen, aber seine Rede vor den Absolventen der sowjetischen Militärakademie klang deswegen nicht minder militant: Er läßt das Rüstungs-Budget der UdSSR um ein Drittel (auf 12,4 Milliarden Rubel) erhöhen und hat ferner die geplante Reduzierung der Sowjetstreitkräfte von 3,6 Millionen auf 2,4 Millionen Mann "vorläufig aufgeschoben". Am gleichen Tage kam Präsident Kennedy mit seinen Beratern überein, die Verteidigungsbereitschaft der USA zu überprüfen und sich für den Fall eines "Buschfeuerkrieges" um Berlin zu wappnen. Noch immer wird in diesem Zusammenhang die Mobilisierung der US-Nationalgarde und anderer Reserve-Einheit-en erwogen.

Auf dem Gebiet der konventionellen Rüstung scheint der Wettlauf der Waffen damit wieder in vollen Gang zu kommen. Die Maßnahmen beider Seiten sind indes nicht nur taktische Züge im Nervenkrieg zwischen Ost und West. Das strategische Umdenken in Washington, das den herkömmlichen Streitkräften wieder größere Bedeutung beimißt, scheint nun auch auf den Kreml überzugreifen. Auch Chruschtschow schaudert vor dem Atomkrieg zurück und wünscht deshalb eine konventionelle Stärkung der Roten Armee. Und das ist immerhin ein gemeinsames Interesse. ts