Von Elaine Grand und Dilys Rowe

Für Hausfrauen, die unter Einsamkeit und Langeweile leiden, scheint es einen ganz einfachen Ausweg zu geben, nämlich irgendeine Arbeit zu übernehmen, die sie aus dem Gefängnis der eigenen Wohnung befreit und neuen Interessen und Freunden zuführt: Zum Beispiel eine Halbtagsbeschäftigung oder eine ehrenamtliche Tätigkeit in einer lokalen Frauenorganisation. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Die Halbtagsbeschäftigung wäre hier für Frauen mit vielköpfigen Familien sehr zu empfehlen, da sie nicht den ganzen Tag vom Haushalt abwesend sein können, doch es ist nicht einfach, einen in der Nähe gelegenen Arbeitsplatz und einen Arbeitgeber zu finden, der eine Frau von neun bis eins oder von eins bis fünf einstellt. Aber selbst, wenn man diese ideale Nebenbeschäftigung findet, gibt es für viele noch einen Hinderungsgrund: Kinder, die noch nicht zur Schule gehen.

Eine Mutter kann nur dann arbeiten, wenn es leicht erreichbare Kindergärten gibt, denen sie ihre Kinder anvertrauen kann – besonders heutzutage, wo Großeltern und gute Bekannte oft kilometerweit entfernt wohnen. Höchstens noch in"unterentwickelten" Gegenden ist es möglich, die Kinder in der Obhut der Nachbarn zu lassen; in den industrialisierten, dicht besiedelten Gebieten aber gibt es nicht genügend öffentliche Kindergärten.

Die Briefe, die nach einer von der englischen Rundfunkgesellschaft BBC kürzlich veranstalteten Fernsehserie über Hausfrauen und ihre Sorgen eintrafen, lassen erkennen, daß die meisten Frauen arbeiten wollen, weil sie geistige Anregung und Gesellschaft brauchen. Aber hinter diesen Wünschen steht auch der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit, obwohl viele einräumten, daß der zusätzliche Verdienst für sie nach den Extraausgaben für Kleidung, Fahrgeld und dergleichen wohl nur ein Scheinsieg sein würde. "Es wäre vor allem um der Genugtuung willen, ein eigenes – und sei es auch noch so geringes Gehalt zu beziehen, auf das niemand sonst irgendwelche Ansprüche hat."

Diese jungen Frauen hatten vor ihrer Ehe jahrelang selbst verdient und gaben auch nach der Heirat nicht gleich ihre Beschäftigung auf, um etwas für den Haushalt und die zukünftigen Kinder beizusteuern. Sie sind es nicht gewohnt, in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu leben oder sich, wie es eine der Briefschreiberinnen ausdrückte, als ein Anhängsel des eigenen Ehemanns zu fühlen.

Unbezahlte Arbeit in einer der Frauenorganisationen lehnten die meisten dieser jungen englischen Frauen vor allem aus vier Gründen ab. Dei erste Grund war, daß die "wohltätige" Arbeit heute so wenig Ansehen genießt; der zweite die Überzeugung, daß diese Organisationen nichts wirklich anderes als nur eine Ausweitung der häuslichen Sphäre darstellten; der dritte die Annahme, daß nur Frauen mittleren Alters und aus dem Mittelstand diesen Organisationen angehören; der vierte noch einmal die Schwierigkeit, überhaupt das Haus verlassen zu können, solange Säuglinge oder Kleinkinder da sind.