K-a, Darmstadt

"... and then we got a lift!" erzählte der junge Engländer. In der Anhaltersprache heißt dies: "Und dann nahm uns jemand mit!" Der junge Engländer freilich war von diesem "lift" gar nicht begeistert: Er war empört.

Er gehörte zu den Schülern und Studenten aus Italien, England und Frankreich, die unlängst zusammen mit etwa 30 deutschen Trampern, meist in Lederhosen oder Pfadfinderuniform, von der Verkehrsbereitschaft Darmstadt an den Autobahnauffahrten des Regierungsbezirks aufgelesen worden waren. Ohne ein Wort der Erklärung wurden sie in einem Polizeibus zur Landespolizeistation verfrachtet, wo ihre Identität und ihre Harmlosigkeit festgestellt wurde. Kaum einer war darunter, für den sich die Polizei von Rechts wegen zu interessieren hatte. Die meisten waren harmlose Ferienfahrer, die das Trampen nicht selten von deutschen "Kollegen" in ihrem Heimatland abgeguckt hatten und es nun hier auf die gleiche Weise versuchen wollten. Von derartig durchgreifenden Polizeimethoden hatten sie vor Antritt ihrer Reise jedenfalls nichts gehört. Und was wußte der Leiter der Verkehrsbereitschaft Darmstadt, der Hauptkommissar Borger, auf den Protest der verdatterten Ausländer zu sagen? Er sagte, daß diese Art von Sonderaktionen fortgesetzt werden solle.

Was man aus den Polizeiakten zu diesem Thema erfährt, scheint der Aktion Berechtigung zu geben. Freilich sollten sich Beamte, die dafür eingesetzt werden, vorher ein wenig mit der "Psychologie des Trampers" vertraut machen. Nicht alle sind nämlich Hehler und Umhertreiber, schon gar nicht zur Urlaubszeit. Die jungen Leute bemühen sich meistens schon durch Habitus und Kleidung (oft durch die Nationalitätenflagge auf dem Rucksack), Vertrauen zu erwecken. Und wenn sie schon kontrolliert werden müssen, warum dann eigentlich nicht an Ort und Stelle? Es dürfte doch wohl leichter sein, die Suchlisten im Streifwagen mitzunehmen, als für 30 junge Leute einen Bus zu chartern.

Wenn aber das drastische Vorgehen der Polizei aus bürokratischen Gründen nötig gewesen sein sollte, warum hat man den Betroffenen dann nicht wenigstens gesagt, um was es geht? Man mußte sich doch ausmalen können, was junge Ausländer denken mögen, die in Deutschland von Uniformierten wortlos in einen Bus gedrängt und davongefahren werden...