Gestern sah ich in einem italienischen Film zwei Männer reiferen Alters – der eine Architekt, der andere Anwalt von Beruf, am Abgrund der Verzweiflung stehen. Da wurde mir schlagartig klar, daß es sich hier um ein internationales Problem handelt. Ich meine die Beziehungen ergrauter Männer zu sehr jungen, frühreifen Mädchen. Nach dem Erscheinen von Nabokovs "Lolita" kam ja eine gewisse Diskussion über diese Frage in Gang – leider aber wurden ganz einseitige, unrealistische Folgerungen gezogen, Daß der einzige, der in diesem Buch wirklich leidet, der arme Humbert Humbert ist, das wurde geflissentlich übersehen.

Inzwischen ist aber die Wahrheit ans Licht gekommen, und zwar durch eine Serie von Filmen. Und es ist eine alarmierende Wahrheit: Eine ganze Generation von Männern, die man schon fast als verloren bezeichnen muß, sieht sich den Nachstellungen durch junge und jüngste Geschöpfe weiblichen Geschlechtes wehrlos ausgesetzt. Es ist natürlich äußerst schwierig und braucht viel Takt, diese Männer zum Sprechen zu bringen; das Thema ist ihnen peinlich, und viele von ihnen sind auch durch ihre Erlebnisse verschreckt und eingeschüchtert. Es ist mir aber dennoch gelungen. Als wir uns auf einer Parkbank trafen, hatte mein Gewährsmann etwas Unstetes, Suchendes im Blick. "Hier sind wir jetzt ganz sicher; die nächste Mädchen-Oberschule hat gerade Unterricht, ich habe mich vergewissert", sagte ich zu seiner Beruhigung.

"Und wenn welche Freistunden haben?"

"Zu zweit werden wir schon mit ihnen fertig. Sie haben wohl viel durchgemacht in letzter Zeit?" Sein schweigender Blick sagte alles.

"Wie stellen es diese jungen Dinger eigentlich an, Männern gesetzten Alters und oft gehobener Position so zuzusetzen?" wollte ich wissen.

"Der Anblick graumelierter Schläfen raubt den Mädchen jede Kontrolle über sich, sie sind dann zu allem fähig. Besonders haben es ihnen die Väter von Schulfreundinnen angetan. Diese sind äußerst, gefährdet. Väter mit gewisser Erfahrung – aber davon gibt es zu wenig – vermeiden es tunlichst, ihre Töchter in die Schule zu fahren. Kaum haben sie ihren Wagen auch nur für zwei Minuten verlassen, um einen Lehrer zu begrüßen, kriecht schon so ein Teenager eislutschend hinein, und das ist dann meist der Anfang vom Ende."

"Ich sah einen italienischen Film, da zieht sich so eine Fünfzehnjährige im Wagen des Vaters ihrer Freundin bis auf die unterste Unterwäsche aus."