Die Esso AG, Hamburg, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Standard Oil Company (New Jersey), hat ihre Position auf dem deutschen Mineralölmarkt trotz des erheblich verschärften Wettbewerbs erfolgreich behaupten können. Der Umsatz stieg 1960 um 208,5 auf 2429,4 Mill. DM. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Verkaufserlöse pro Einheit unter dem Konkurrenzdruck zurückgingen. Der Mengenumsatz hat deshalb stärker zugenommen, als die Umsatzsteigerung erkennen läßt. Die Gesellschaft hat sich in diesem Jahre entschlossen, einen Gewinn auszuweisen. Sie begründet den Jahresüberschuß von rund 1,8 Mill. DM mit Raticnalisierungserfolgen. Tatsache ist, daß die Zahl der Mitarbeiter in den letzten drei Geschäftsjahren trotz des wachsenden Geschäftsumfanges ständig zurückgegangen ist. Ein Beispiel dafür, daß es auch Konzerne gibt, die mit Erfolg der Aufblähung ihres Apparates widerstehen – und dennoch mit steigendem Nutzen arbeiten. Daneben sind auch gewisse Einschränkungen in den freiwilligen Sozialleistungen erkennbar.

Das Bilanzbild per 31. Dezember 1960 wird wesentlich durch die Tilgung des Verlustvortrages von 46 Mill. DM beeinflußt, die möglich wurde, da die Muttergesellschaft auf die Rückzahlung eines Restdarlehens von 47,3 Mill. DM verachtete. Dadurch ist die Esso-Bilanz frei von roten Zahlen geworden. Der Umstand, daß auf der diesjährigen HV eine weitere Aufstockung des Grundkapitals um 100 Mill. auf 450 Mill. beschlossen wurde (nachdem bereits im Berichtsjahr eine Kapitalerhöhung um 50 Mill. vorgenommen war) veranschaulicht das Interesse, das die Standard Oil-Organisation am deutschen Mineralölmarkt hat.

Das kommt besonders in den Investitionen zum Ausdruck, die mit 75,6 (79,4) Mill. in etwa die Vorjahreshöhe erreichten. Sie dienten der Erweiterung der Verarbeitungsanlagen sowie dem Ausbau und der Modernisierung der Vertriebsorganisation. Daneben laufen die Projektierungsarbeiten für die Raffinerie Oberrhein – das neue Werk der Esso bei Karlsruhe, das eine Durchsatzkapazität von 3,6 Mill. Jahrestonnen erreichen soll. Mit der Inbetriebnahme rechnet man Anfang 1963. Ferner ist der Bau eines weiteren Mineralölverarbeitungswerkes im Räume Ingolstadt geplant, das 1964 fertiggestellt sein wird. Mit diesen Betriebsstätten wird die Esso offensichtlich den Kampf gegen das italienische (sowjetische) Mineralöl aufnehmen, falls es tatsächlich den süddeutschen Raum mittels einer Pipeline erreichen sollte.

Die Verkäufe an Vergaser- und Dieselkraftstoffen sind allgemein gestiegen, allerdings bei geschmälerten Erlösen. Nicht zuletzt eine Folge des Auftretens freier Tankstellen auf dem Markt! Das Heizöl hat sich trotz der fiskalischen Neubelastungen belebt. Es zeigt sich immer mehr, daß sich der Heizölverbrauch durch steuerliche Maßnahmen nicht eindämmen läßt. Ausschlaggebend sind die Annehmlichkeiten dieses Brennstoffes. Der Verkauf von Flugkraftstoffen nahm durch die Umstellung der Zivilluftfahrt von Kolben- auf Düsenflugzeuge stark zu. Sehr günstig hat sich daneben das petrochemische Geschäft entwickelt, auf das sich alle Erdölunternehmen verstärkt gestürzt haben. Hier stieg der wertmäßige Umsatz mehr als 100 vH. –ndt