Von Leonard Forster

Professor Dr. L. W. Forster war Germanist der Universität London und hat jetzt einen ehrenvollen Ruf auf den Lehrstuhl in Cambridge angenommen.

Zu seinem 67. Geburtstag hatten ihm seine Kollegen der bekannten Londoner Wirtschafts-Hochschule (London School of Economics), an der er Professor für deutsche Literatur war, noch ein Festessen gegeben, und er hatte eine jener herrlichen Tischreden gehalten, für die er berühmt war. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages starb er, der sich doch so sehr darauf gefreut hatte, demnächst ein Jahr als Gastprofessor an die McGill-Universität nach Kanada zu gehen: William Rose, eine der beliebtesten und liebenswertesten Persönlichkeiten der englischen Germanistik.

Seit 1920 hat er viel getan für die deutsche Literatur in England. In öffentlichen Vorlesungen wie durch Artikel, etwa im Times Literary Supplement, hat er schon früh auf die Dramen der Expressionisten wie auf die Lyrik eines Rilke hingewiesen. Er nahm teil am literarischen Leben Deutschlands wie Englands und kannte viele Schriftsteller auf beiden Seiten des Kanals persönlich.

Sein Forschungsgebiet war weit gesteckt, umfaßte das Tierepos ebenso wie jüngste lyrische Dichtung. Die englische Standardübersetzung des "Werther" (aus dem Jahre 1929) stammte ebenso von ihm wie eine Anthologie deutscher Dichtung, in der die Engländer zum erstenmal mit Ingeborg Bochmann und Paul Celan bekanntgemacht werden. Besonders jedoch, haben ihn immer crei deutsche Dichter beschäftigt: Goethe, Rilke und Heine.

Viele, die nach 1933 aus Deutschland flohen, fanden bei ihm Rat und Freundschaft; unter ihren Franz Werfel.

Er hatte niemals Angst vor dem Neuen oder dem Unorthodoxen; immer beurteilte er es auf seine eigene, humane und großzügige Art.