Indonesien ist besser als sein Ruf – Seite 1

Nachlassender Inflationsdruck, aktive Handelsbilanz

Nachdem das Tischtuch zwischen Jakarta und Den Haag endgültig durchgeschnitten ist, sind zuverlässige Wirtschaftsinformationen. ‚ über Indonesien Mangelware. Die amtlichen Quellen in Holland sind so ziemlich versiegt,und private Mitteilungen verraten meist ein starkes Ressentiment; so daß man sie mit einiger Vorsicht zu behandeln hat. Andererseits darf man das, was direkt aus indonesischer Quelle stammt, auch nicht ohne weiteres für bare Münze nehmen. So manches ist (begreiflicherweise) Schönfärberei, und vieles wird überhaupt verschwiegen, was möglicherweise nachteilig für den jungen, noch auf schwankendem Boden stehenden Staat sein könnte.

Nach dem Urteil des unbefangenen Beobachters ist die Wirtschaftslage in Indonesien wesentlich besser, als gemeinhin angenommen wird. Gewiß wirkt sich das System der Wirtschaftslenkung mancherorts hemmend aus; auch machen die Aufständischen in den Außengebieten bis nach Westjava noch allerhand zu schaffen, doch sitzt Sukarno fest im Sattel. Er kann; sich ruhig einige Zeit auf Reisen begeben, ohne befürchten zu müssen, daß seine Abwesenheit zu einem Staatsstreich mißbraucht wird. Die geschickte Art und Weise, in der er für sein Land wirbt, verschafft ihm in den Augen seiner Landsleute und auch im weiten Ausland Goodwill und Ansehen.

Weniger Geld – mehr Reis

Zu den größten Erfolgen der indonesischen Regierung gehört der Umstand, daß in der zweiten Jahreshälfte 1960 der Inflationsdruck merklich nachließ und eine gewisse Preisstabilität erzielt wurde. In den ersten sieben Monaten zogen die Preise bis zu 30 vH an, um dann ab Juli allmählich wieder zurückzugehen. Dies galt vor allem für das Hauptnahrungsmittel, den Reis, sowie für eine Reihe von Importwaren, u. a. Textilerzeugnisse. Der Geldumlauf verringerte sich, als dem spekulativen Kapitalmarkt zugunsten der Freilistenimporte rd. 4 Mrd. Rupiahs entzogen worden waren. Durch eine leichte Erhöhung der Reisproduktion und umfangreiche Importe stieg auch das allgemeine Warenangebot, auch die lokale Industrie konnte ihre Produktion im allgemeinen etwas steigern. Allerdings reichen all diese Verbesserungen in Anbetracht der rasch wachsenden Bevölkerung noch längst nicht aus, um die vorhandene Nachfrage auch nur einigermaßen zu befriedigen. Immerhin stieg im landwirtschaftlichen Sektor die Produktion von Mais, Erdnüssen, Sojabohnen und Süßkartoffeln. Die Reisernte erhöhte sich im vergangenen Jahr auf über 8 Mill. t gegen knapp 7,9 Mill. t 1959. Dennoch muß die Regierung immer noch jährlich 800 000 t Reis importieren, doch soll die Anbaufläche vor allem auf den sog. Außeninseln noch weiter ausgedehnt werden, so daß sich in etwa drei Jahren die Reiseinfuhr erübrigen dürfte.

Unter den wichtigsten Exportprodukten war die Produktion von Plantagenkautschuk 1960 stark rückläufig. Die Zuckergewinnung verminderte sich um etwa 20 vH. Besser schnitten Kakao, Fasern und Kopra ab. Dagegen erfuhr die Produktion von Tee, Palmöl und -kernen, Kapok, Tabak, Chinarinde, Pfeffer und Baumwolle, eine deutliche Steigerung, während, der Rückgang in der Produktion von Plantagenkautschuk durch die Ernte kleiner Privatplantagen einigermaßen wieder ausgeglichen werden konnte.

Während die Zinnproduktion etwas stieg, ging die Manganerzförderung erheblich zurück. Dafür verbesserte sich die Erdölproduktion um etwa 9 vH. Die indonesischen Fabriken, die 1959 knapp die Hälfte ihrer Kapazität zu nutzen vermochten, wiesen 1960 Leistungssteigerungen nach. Die von einer amerikanischen Bank finanzierte Zementindustrie in Gresik ist nahezu ganz ausgelastet, desgleichen die kopraverarbeitende Industrie in der Umgebung von Jakarta. Auch die vom Staat betriebene, von tschechischen Ingenieuren eingerichtete Reifenfabrik bei Jakarta und die Goodyear-Reifenfabriken in Jakarta und Bogor arbeiten auf vollen Touren. Die Bata-Schuhfabrik, die etwa 25 vH des indonesischen Marktes beliefert, kann ihre Kapazität zu rd. 75 vH ausnutzen. Neue Fabriken wurden kürzlich in Betrieb genommen, so eine staatliche Textilfabrik auf Bali und einige Kokosölfabriken in Ostjava.

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Außenhandel etwas liberaler

Für die indonesische Ausfuhr liegen die Zahlen für die ersten 11 Monate 1960 vor, aus denen hervorgeht, daß für das verflossene Jahr mit einem Exportüberschuß zu rechnen ist, wenn er auch etwas kleiner ausfallen wird als 1959, da vor allem in der zweiten Jahreshälfte 1960 die Importe erheblich stiegen.

Wie sich die Handelsbilanz in den letzten drei Jahren entwickelte, ergibt sich aus nachstehenden Angaben:

1958 1959 1960*

in Millionen Rupiahs

Ausfuhr 9104 10613 8345

Einfuhr 6202 5227 5661

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Ausfuhrüberschuß 2812 5386 2634

* 11 Monate

Nach vorläufigen Berechnungen, belief sich die Ausfuhr im Ganzjahr 1960 auf rd. 9,5 Mrd. Rp. (11.40 Rp = 1 US$.)

Die wichtigsten Exportgüter waren

1959 1960*

in Millionen Rupiahs

Kautschuk 4190 3860

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Tee 202 279

Kaffee 202 125

Palmöl 196 202

Palmkerne 46 45

Fasern 33 35

Zucker 21 34

Tabak 134 163

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Kopra 232 265

Erdöl und Benzin 2396 2056

Zinn- und Manganerze 375 495

* 11 Monate.

Hauptabnehmer indonesischer Erzeugnisse waren die USA, Singapur, Großbritannien und die Bundesrepublik. Westdeutschland entwickelte sich zum guten Kunden vor allem bei Tabak, Tee, Kautschuk, Palmöl, Tapioka und Kopra. Um das Ausfuhrgeschäft weiter. zu steigern, hat die Regierung unter den rd. 4000 inländischen Exporteuren eine scharfe Auslese vorgenommen und tunlichst alle unerfahrenen und, unzuverlässigen Elemente ausgemerzt, so daß schließlich nur noch 1500 Händler übriggeblieben sind. Allerdings ließen sich nicht alle schwachen Stellen beseitigen. Zur Exportförderung wurde im August v. J. die Exportabgabe von 20 vH um die Hälfte gesenkt.

Die Gesamteinfuhr stieg in den ersten 11 Monaten 1960 gegenüber der vorjährigen Vergleichszeit um rd. 1,15 Mrd. Rp. auf rd. 5,7 Mrd. Rp. Die Realisierung des Sandang-Pandan-Programms und die Freigabe von 1 Mrd. Rp. für die Einfuhr lebenswichtiger Güter auf der Freiliste erwies sich als starke Stimulanz, wie aus nachstehender Tabelle hervorgeht:

1958 1959 1960*

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in Millionen Rupiahs

Konsumgüter 1750 1272 2122

Rohstoffe usw. 2367 2264 2347

Kapitalgüter 1142 977 1192

* 11 Monate

Als Hauptlieferanten Indonesiens traten auf die USA, Japan und Rotchina. Der Lieferanteil der Bundesrepublik an der Gesamteinfuhr Indonesiens verringerte sich 1960 auf 9,3 vH (Vorjahr 11,9 vH). Die Lieferungen Westdeutschlands beistanden in der Hauptsache aus Eisen und Stahl, Schiffen, elektrotechnischen Erzeugnissen, Maschinen, Kraftfahrzeugen nebst Zubehör, Farben, Chemikalien und Düngemitteln.

Nach dem Devisenverteilungsprogramm für 1961 werden nicht weniger als 44 vH der bereitgestellten Mittel für die Einfuhr von lebenswichtigen Waren reserviert, die nur durch die sog. P. T. Negaras (Staatsgeschäfte) importiert werden dürfen, während weitere 44 vH für lebenswichtige Güter bestimmt sind, doch durch Privathandelshäuser bezogen werden können. Für beide Gruppen gilt ein Wechselkurs von 45 Rp. = 1 US$. Die restlichen 12 vH entfallen auf Freilistenimporte durch Privatfirmen zum Kurs von 200 Rp. = 1 US$. Die Devisenmittel, die zur Förderung der Landwirtschaft eingesetzt werden sollen, wurden gegenüber dem Vorjahr verdreifacht.

Erwin A. Granzow