Jungen Fans schmackhaft gemacht

Von Manfred Sack

Man spürt sehr bald, wohin der Verfasser zielt: mitten in die Schar derer, für die sich ihre Umwelt Bezeichnungen wie Halbstarke, Teens und Twens ausgedacht hat, "Heranwachsende" also und Jugendliche, denen eben dieselbe Umwelt besonders innige Beziehungen zu lauter Musik, zu artistischer Tanzmusik und zum Jazz nachsagt. Fragt man hier genauer nach der "Liebe zum Jazz", bleiben meist nur ein paar geläufige Namen, ein paar Anglizismen der Branche, ein bißchen Hingabe und ein bißchen Angabe. Wer von diesen jungen Leuten sich ein wenig intensiver mit dem Jazz, seinen Interpreten, seiner Geschichte befreunden will, hat spätestens jetzt Gelegenheit dazu. Sie bietet sich zu einem bemerkenswert niedrigen Preis an –

Hans-Jürgen Winkler: "Jazz für Jedermann", mit einem praktischen Teil von Erich Ferstl; Süd-West-Verlag, München; 320 S., 32 Photos, viele Zeichnungen und Notenbeispiele, 8,90 DM.

Das ist ein Buch, das jungen Leuten schon mit seiner Sprache entgegenkommt. Winkler bemüht sich, salopp – manchmal freilich unbekümmert – mit seinen Lesern zu sprechen. Er versucht jedoch auch, ihnen eine "runde Sache" zu liefern, ein Kompendium, das klar gegliedert, in seinen Angaben ziemlich genau ist, das mit guten Bildern, sehr hübschen Zeichnungen (von Ulrik Schramm) und vor allem mit einem beachtenswerten "praktischen Teil" versehen ist. Erich Ferstl unternimmt darin den Versuch, die bloßen Liebhaber zu ein wenig mehr musikalischem Wissen zu führen. Er vermittelt so etwas wie eine kleine, auf die Bedürfnisse des Jazzhörers (und vielleicht des dilettierenden Jazzmusikanten) beschränkte Harmonielehre – ein Unternehmen, das diejenigen stützen machen wird, die meinen, der Jazz bedürfe der Noten nicht. Wenn das den passiven Musikkonsumenten auch überfordern wird, es wird viele, die ein Instrument zu spielen gelernt oder schon einmal versucht haben, anregen, es selber zu probieren.

Das geht über das Übliche solcher Bücher hinaus und auch über den bescheiden vorgebrachten Vorsatz Winklers, nach so vielen Mißverständnissen "die Stühle hinzurücken, wo sie stehen und nicht wackeln".