Funk

SDR STUTTGART Freitag,

14. Juli, das Hörspiel:

Arthur Adamov hat sich nach dem Zweiten Weltkriegum das französische Theater verdient gemacht. Um es gleich vorwegzunehmen: An seiner vielsagend gemeinten Funkgroteske läßt sich dies allerdings nicht ablesen. In einer anfangs leidlich witzigen Reihe sketchähnlicher Bilder werden Kolonialismus und Diktatur am Beispiel einer wahren Begebenheit veralbert.

Ein junger, reicher Franzose ernennt 1903 (zwecks Schaffung eines Asyls für Gutwillige) die Sahara zum Kaiserreich und sich selbst zur dazugehörigen Majestät. Dieses qualmende Fanal gegen Freimaurer und Sozialisten erzeugt heftiges parlamentarisches und diplomatisches Flügelschlagen von Paris bis London. Erzeugt werden außerdem noch Schadenersatzansprüche von Matrosen der Mikrowüsteninvasion und mörderisches Verlangen nach Rache bei einem engagierten, aber tatenlos und unbezahlt gelassenen General. Der Kaiser indessen besucht Weltstädte und bringt – Paranoiker und Paralytiker zugleich – im Geiste mittels großer Worte und hehrer Egozentrik für sich die Welt in Ordnung. Zum Schluß wird Jacob der Erste von seiner Geliebten erschossen, als er seiner eigenen Tochter nachstellt.

Das alles zusammen entläßt den verlegenen Hörer ohne die angezielten Wirkungen: kein Schockieren, kein Gelächter, kein Nachgrübeln – hingegen allenfalls noch Mitleid mit einem klinischen Fall, über den sich einer zu Unrecht lustig macht. bleibt das peinliche Gefühl, daß einmal mehr satanische Tatbestände zum lachhaften Jux verniedlicht wurden. Die großen Verführer sind leider keine leicht erkennbaren Witzblattfiguren, sondern befinden sich verfluchterweise stets im Einklang mit irgendeiner breiten Geistesströmung. Das ist grauenhaft ernst. Es scheint, daß uns dies eigentlich eingehämmert werden müßte. – H. K.