Wie es in Kanada wirtschaftlich aussieht – nämlich nicht gerade zum Besten –, weiß jeder halbwegs aufmerksame Zeitungsleser schon seit geraumer Zeit, also nicht erst seit der kürzlich erfolgten Kurs-Korrektur der kanadischen Währung. Trotzdem werden von einer (schweizerischen) Maklerfirma noch immer – undatierte! – Zirkulare verschickt, die Kanada, mit seinen "enormen Möglichkeiten", ohne jede Einschränkung als "Das Land der Zukunft" preisen: mit

großartigen Chancen, gerade jetzt, für Kapitalanlagen. Hierbei geht es speziell (wieder einmal!) um den Kauf von Aktien einer kanadischen Erzgrube, mit dem Reklame-Slogan: "Hundert Prozent Wertzuwachs-Erwartung in 12 Monaten – das ist Ihre Chance!" Um den Vogelleim gleich recht dick aufzutragen, heißt es in dem beigefügten Prospekt noch, "unsere Kunden" hätten bei der zuletzt empfohlenen Aktie – sie bleibt natürlich ungenannt – innerhalb von sechs Monaten "nachweisbar" sogar das Dreifache des Einstandspreises gelöst. Auch dieser Prospekt ist, ebenso wie das Zirkularschreiben, ohne Datum ...

Der schnell entschlossene Käufer darf die Aktien "zum Frühkurs" – was heißt das eigentlich? – in Blöcken zu hundert Stück erwerben; ein solcher Posten kostet, den kanadischen Dollar zu dem stolzen Kurs von 4,05 DM berechnet, "nur" 365 DM, und ist damit (wie ein roter Aufklebe-Zettel zum Prospekt besagt) 18 DM billiger als vor der D-Mark-Aufwertung ... Wer will, kann die Aktien – spesenfrei – auch gegen Nachnahme beziehen. Die regelmäßige kostenlose Zusendung des Kursblattes, "aus dem ich den jeweiligen Kurs ersehen kann", wird außerdem zugesichert. Die Sache hat nur leider den einen Schönheitsfehler: die Aktie wird nämlich nirgendwo, an keiner Börse der Welt, notiert!

Wäre das der einzige Schönheitsfehler dieses großherzigen Angebotes, so möchte die Sache ja noch angehen .. Aber es gibt eine ganze Menge anderer dubioser Punkte. Die Gesellschaft, deren Aktien, wie es anreißerisch heißt, "heute noch billig sind, aber schon morgen hochschnellen können", produziert nämlich noch nicht. Sie verfügt lediglich über ein Erzvorkommen, von dem wir nur erfahren, daß es "nahe dem St. Lorenz-Strom" liegen soll – wie groß das Areal ist, wie hoch die Erzvorräte geschätzt werden, welche Qualitäten das Erz aufweist: darüber besagt der sonst so geschwätzige Prospekt absolut nichts. So hängt denn auch die Behauptung völlig in der Luft, die Gesellschaft, deren Kapital auf 5 Mill. Kanada-Dollar bemessen sein soll, werde ("produzierend") später einmal rund 3 Mill. Dollar jährlich Reingewinn erzielen, und "mit jedem neuen Schacht entsprechend mehr". – Wieso aber "Schacht"? Gibt es denn in den Eisenerzgruben von Labrador, die bisher ja ausschließlich im Tagebau betrieben werden, überhaupt schon irgendwo Schächte?

Nicht minder fragwürdig sind die Angaben des Prospektes über die Versorgung der Stahlindustrie des Westens mit Erz (oder "Roherz", wie es da, recht fachmännisch, heißt). Erstaunt liest man, daß die Sowjetunion "die schwedische und finnische (!) Erzproduktion weitestgehend aufkauft" – was zu der ebenso lapidaren wie unsinnigen Behauptung überleitet: "Deutschland verliert seine Roherz-Bezugsquellen an Rußland – die deutsche Industrie leidet bereits an Roherz-Mangel." Wer die so nachdrücklich und nach Art des "Billigen Jakob" angepriesenen Aktien (zum Frühkurs!) kauft, würde also zugleich ein nationales Werk tun, indem er den deutschen Hüttenwerken zu einer gesicherten Rohstoffbasis verhölfe, die sie sich bisher (wie uns der Prospekt einreden will), trotz aller Bemühungen nicht selber in Kanada schaffen konnten. "Die deutsche Schwerindustrie", so wird drauflos phantasiert, habe zwar versucht, Erzvorkommen am St. Lorenz-Strom zu erwerben, aber leider sei es "der deutschen Gruppe trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, dort Fuß zu fassen..." Neuerdings aber habe nun "eine belgisch-deutsche Schwerindustriegruppe" (wer mag das wohl sein?) Verhandlungen aufgenommen, um sich – welch ein glücklicher Zufall! – ausgerechnet an der Minengesellschaft zu beteiligen, deren Aktien dem deutschen Publikum "ganz besonders billig" auf diese eindeutig schwindelhafte Weise "angehängt" werden sollen.

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Was bei Offerten dieser Art am Ende herauskommt, darüber unterrichtet die Klage eines Lesers, der uns dieser Tage wie folgt schrieb: "Wenn ich mich recht erinnere, hat Securius vor etwa einem halben Jahr recht skeptisch über die Institute of Investment and Research SA, Genf, geschrieben. Ich habe von diesem Institut (schon im Februar 1960) für 450 DM die bewußten Missex-Aktien gekauft. Im April dieses Jahres bat ich die Gesellschaft um Auskunft, wie sich die Aktien denn nun entwickelt hätten – keine Antwort. Darauf schrieb ich im Mai wieder, diesmal per Einschreiben – wieder keine Antwort. Können Sie mir vielleicht einen Rat geben, was ich jetzt tun soll? Es wäre ja schön, wenn wenigstens ein Teil des Geldes noch zu retten wäre... oder ist die Gesellschaft etwa in Konkurs?"