BERLIN (Haus am Waldsee): "Ikonen"

Anlaß für die Ausstellung ist das zehnjährige Bestehen des Osteuropa-Instituts an der Freien Universität Berlin. Die Bilder kommen aus dem Ikonenmuseum in Recklinghausen, aus den Beständen der Berliner Museen und aus Privatbesitz. Es handelt sich um Arbeiten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, als die große Zeit der Ikonenmalerei schon vorüber war. Es gibt hier, im Gegensatz zur europäischen Malerei, weder Entwicklung noch den geringsten Ansatz zu einem individuellen Gestalten. Ikonen sind sakrale Objekte, Gegenstand der Verehrung – es ist immer eine heikle Sache, sie aus dem kultischen Zusammenhang zu lösen, sie als Kunstwerke "auszustellen" und damit einer ästhetischen Würdigung auszusetzen. Als Beispiele für die Kunst Osteuropas sind sie beliebt, weil man sie leicht herbeischaffen kann, aber im Grunde ungeeignet.

HAMBURG: (Buchhandlung Helmut von der Höh): "Kurt Lehmann"

Seit 1949 leitet Kurt Lehmann die Bildhauerklasse an der Technischen Hochschule Hannover. In Hannover stehen viele seiner Figuren vor Schulen und andern öffentlichen Bauten. In Hamburg sieht man jetzt – bis Ende Juli – seine Kleinplastik. Lehmann wurde 1905 in Koblenz geboren, er gehört zur Generation von Seitz, Blumenthal, Mettel, mit denen ihn auch in der künstlerischen Haltung manches verbindet. Er liebt, auch in der Kleinplastik, die knappe, lapidare Lösung. In den letzten Jahren arbeitet er gern mit kantigen Konturen und aufgerauhter Oberfläche, womit er einerseits eine größere Strenge, aber auch gelegentlich etwas ausgesprochen Heiteres in seine Plastik hineinbringt.

VEVEY (Jenisch-Museum): "Berthe Morisot"

Die letzte Ausstellung der französischen Malerin war 1941 in Paris, zu ihrem 100. Geburtstag, und wurde von ihrem Neffen, dem Dichter Paul Valéry, eröffnet. Inzwischen sind ihre Bilder im Zuge der großen Impressionisten-Hausse auf dem Kunstmarkt hoch gestiegen. Berthe Morisot hat erst mit Corot und später mit Manet gearbeitet. Als Schülerin Manets hat sie ihren Platz in der Geschichte der französischen Malerei, obgleich auch Manet der Schülerin einiges verdankt: das Interesse an der Freilichtmalerei und die helle "impressionistische" Palette. Ihre Bilder, vor allem ihre Familienszenen im Freien, sind dichte Gewebe aus Licht und Atmosphäre, große Momente des Impressionismus, der ja eine eminent weibliche Komponente enthält – nur haben das die meisten Malerinnen erst begriffen, als der Impressionismus vorüber war. Die Ausstellung ist vorher mit großem Erfolg in New York, London und Paris gezeigt worden. Sie bleibt bis zum 3. September in Vevey (Schweiz).

PARIS (Musée d’Art Moderne): "Maillol"