Nachttischnotizen – Seite 1

Wie lange spielen sie noch, Militzer?" fragte ich den Mann neben mir. Ich war eben erst zum Stadion gekommen.

"Fünf Minuten!" sagte Militzer.

"Und es steht zwei zu zwei?"

"Seit drei Minuten!"

"Ob noch ein Tor kommt?"

Militzer stand auf seinem Posten am Ausgang B.

"Gleich kommen sie ’raus", sagte ich.

Nachttischnotizen – Seite 2

"Sie kommen immer alle auf einmal!" sagte Militzer.

"Müssen Sie hier stehen, wenn sie kommen?", fragte ich ihn.

"Das ist Vorschrift", sagte Militzer, "damit sie richtig ’rausgeschleust werden."

Und da kämen sie. Sie wälzten sich die Treppen herunter, und Wortfetzen flogen über die Köpfe hinweg wie Schüsse, die weit hinten ins "Aus" gingen.

Militzer stand vorschriftsmäßig da.

Als sie alle durch waren, sagte er: "Jetzt muß ich nachsehen, was sie liegengelassen haben."

Militzer fand einen Herrenschuh und eine Brille und einen Feldstecher und eine Damenarmbanduhr in seinem Revier und ein Rezept von einem Spezialarzt.

Nachttischnotizen – Seite 3

Er ging mit den Fundsachen in eine Baracke. Da stand ein langer Tisch und Militzer packte alles aus. Er hatte sechs Kollegen, die schon vorher alles ausgepackt hatten. Dann schrieben sie auf ein Blatt Papier, was sie alles gefunden hatten, und jeder holte sich ein weißes Säckchen aus Stoff von einem Mann, der hinter einer Barriere saß, und sie legten die Fundsachen hinein.

Als Militzer die Baracke verließ und mich sah, schien ihm noch was einzufallen. Er griff in seine Brusttasche und ging in die Baracke zurück. Der Mann hinter der Barriere hob den Kopf. Militzer überreichte ihm ein Buch, und der Mann blätterte darin und zog was heraus. Militzer konnte gehen.

Ich sagte: "Das, war ein Gesangbuch, Militzer, oder nicht?"

"Es ist schon das dritte seit Pfingsten", sagte Militzer, "aber diesmal ist es aus Saffian und drin liegt ein Photo von dem Mittelstürmer, der nur für seinen Verein lebt, obgleich sich alle um ihn reißen und der übermorgen zum zweitenmal Vater werden soll."