Im Mittelpunkt aller währungspolitischen Überlegungen steht das Pfund. Die Diskussion über eine notwendig gewordene Reform des Internationalen Währungsfonds ist in erster Linie wegen des Pfundes in Gang gekommen; der Dollar kommt erst nachher. Die Notenbanken sprechen dies zwar nicht mit aller Deutlichkeit aus. Unter keinen Umständen wollen sie eine neue Spekulationswelle gegen das Pfund auslösen. Durch ein Zusammenwirken aller Notenbanken sollen auch kurzfristige spekulative Engagements aufgefangen werden.

Damit wird natürlich am übel selbst, an der strukturellen Schwäche des Pfundes, nichts geändert.

Es wird höchstens ein Klima geschaffen, in dem eine wirkliche Gesundung erfolgen kann, sofern nur die rechten Maßnahmen getroffen werden. Auch das Gros der Geschäftsbanken mag dieser Haltung der Notenbanken Rechnung tragen. Natürlich können die Geschäftsbanken nicht zugunsten des Pfundes intervenieren. Ihre Stellung als Kaufleute und als Verwalter fremder Gelder erlaubt ihnen das nicht; sie gehen aber in der Regel keine Position gegen das Pfund ein.

Die überall anzutreffende Disziplin gegenüber dem Pfund ist aus einem politischen Verantwortungsgefühl heraus gewachsen. Das Pfund ist auch heute noch eine Weltwährung. Sie steht im Rang nicht weit hinter dem Dollar. Die knappe Hälfte des Welthandels wird mit Pfunden abgerechnet und bezahlt. Auch als Reservewährung spielt das Pfund heute noch eine – wenn auch langsam schwindende – Rolle, und zwar vor allem in den Commonwealth-Ländern. Die amtlichen Pfundbestände der Sterlingblockländer betrugen Ende 1960 noch immer mehr als 2 Milliarden Pfund, die Sterlingguthaben außerhalb Großbritanniens 3,7 Mrd. Pfund. Dies sind mehr als 40 Mrd. DM. Gewaltige Beträge schuldet also England dem Ausland. Das zeigt, welch großes Vertrauen die Welt nach wie vor in England als Führungsmacht des Empire und als Weltbankier setzt.

England war ja stets sorgfältig bemüht, das ihm als Bankier erwiesene Vertrauen zu rechtfertigen. Noch immer hat es seine Schulden ordnungsgemäß zurückgezahlt, und zwar auch dann, wenn darüber seine eigene. Bevölkerung Entbehrungen auf sich nehmen mußte. Was bis heute von außen her getan wurde, um den Kredit des Sterlings zu erhalten, genügt nicht. Die strukturelle Schwäche des Pfundes, die immer deutlicher wird, kann dadurch nicht überwunden, nicht endgültig bekämpft werden. Das kann England nur selber tun. Dazu äußerte sich der Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sehr offen. Er zeigt deutlich, daß England die ganzen zurückliegenden Jahre über seine Verhältnisse gelebt hat. Es wird im BIZ-Bericht über eine Diskrepanz zwischen der Lohn- und Produktivitätssteigerung gesprochen und festgestellt, daß – wenn die Arbeitsentgelte weiterhin schneller steigen als die volkswirtschaftliche Produktivität – sich die Beeinträchtigung der Exportfähigkeit verstärken muß. Den Grund für die bisherige ungünstige Entwicklung sieht die BIZ in einem unzureichenden Wirtschaftswachstum. In Großbritannien erhöhte sich in der Zeitspanne 1955 bis 1960 das Bruttorealprodukt um 12 vH, in der Gesamtheit der OEEC-Länder um 22 vH, in der Bundesrepublik und Italien betrug der Zuwachs ein Drittel. Die Engländer haben offenbar zuwenig investiert.

Die BIZ meinte hierzu, der Konsum sollte sich künftig etwas einschränken lassen.

Zu dem Leben über die Verhältnisse gehört auch, daß der Staat in Großbritannien mit den ihm zur Verfügung gestellten Mitteln nicht auskommt. 1960 verblieb für die gesamte öffentliche Hand ein Finanzierungsbedarf von 699 Mill. Pfund, von dem 280 Mill. Pfund durch Geldschöpfung, d. h. durch Erhöhung des Bargeldumlaufes und durch Verschuldung bei der Notenbank, aufgebracht ist. Dies sind gut 3 Mrd. DM; das hat zur Schwächung des Pfundes wesentlich beigetragen. Hier helfen nur Steuererhöhungen.