Zitiert nach der "Alternative"

Aber da gibt es Denker, die wähnen, des Absoluten in Normen und Institutionen habhaft geworden zu sein; "Theologen", die menschgemachte, durch Weltkriege gerichtete Ordnungen als gottgewollt ausgeben ... Allerdings, sie haben es nötig, ihren "Gott" durch die Kriminalpolizei vertreten zu lassen, auf daß niemand ihn lästere. Reimar Lenz

Der Paragraph schützt – so interpretieren die Kommentatoren – nicht Gott (das erschiene wohl als eine zu starke Lästerung!), sondern das religöse Gefühl und "die Gottesvorstellung der in Deutschland anerkannten Religionsgesellschaffen". Wieso nun ein religiöses Gefühl mehr und anderen Wert hat als sonstige Gefühle, etwa die Verehrung eines großen Mannes wie Goethe oder Marx oder auch eine tiefe Liebe–, das ist nicht einzusehen.

Heinz Martin Baethge

Darum ist es m. E. vom christlichen Standpunkt aus nicht möglich, an diesem Aufsatz "Ärgernis" zu nehmen, und eine Verurteilung wegen Gotteslästerung würde nicht nur die Intention des Verf. verkennen, sondern auch die Offenheit der Aussprachen zwischen den Christen und ihren Zeitgenossen über Glaubensfragen beeinträchtigen.

Professor D. Helmut Gollwitzer in seinem Gutachten zum "Fall Lenz"

Eine Verurteilung würde mich dazu veranlassen müssen, über die heutigen Möglichkeiten einer philosophischen Lehrtätigkeit ernsthaft nachzudenken, deren Wesen darin bestehen muß, die Studierenden dazu zu veranlassen, selbständig zu urteilen, alle unlebendig gewordene Tradition in Frage zu stellen, und dann das, was sie im Nachdenken begriffen haben, ungescheut auszusprechen.