OSTBERLIN (Komische Oper):

"Der Sommernachtstraum" von Benjamin Britten

"Wer im Februar Günther Rennerts Hamburger Inszenierung gesehen hat, erkennt ihn kaum wieder", schreibt H. H. Stuckenschmidt in der FAZ. Walter Felsenstein "entwickelt Regie und Szenenbild (Rudolf Heinrich) aus einem erstaunlich gesteigerten Naturerlebnis. Baumgruppen rücken nach rechts und links; Pflanzen beginnen zu atmen. Der Große Pan ist in sein Reich eingesetzt und dringt unversehens in das der Menschen ein ... Aufgehoben ist die Schwerkraft, wie Soffitten schweben Oberon und Puck vom Schnürboden herab, um sich über Titanias von Riesenspinnen umgarntem Pfühl ein Rendezvous zu geben. Neben soviel Waldzauber tritt die Welt der Liebenden in den Hintergrund." W. Oehlmann urteilt im Tagesspiegel: "Was das Theater seit den großen Zeiten der barocken Szenenkunst produziert hat, das war auf der Bühne der Komischen Oper konzentriert – ein Fest des Theaters ... In dieser vom Geist des Schauspiels inspirierten Aufführung war das Verhältnis Shakespeare–Britten vollends zugunsten des Dichters verschoben." Oberon und Titanic wurden, von den Negersängern William Ray und Ella Lee verkörpert, aus der Menschenwelt herausgehoben. Der Puck von Harald Engelmann "würde mit seiner allgegenwärtigen Akrobatik jedem Zirkus Ehre machen". Den musikalischen Höhepunkt des von Kurt Masur dirigierten Abends ergab das Quartett der Liebespaare (Gabriele Schubert, Ingrid Cerny, Manfred Hopp, Uwe Kreyssig). In den Handwerkerszenen dominierte Rudolf Asmus als Zettel, dem "der Darstellerlorbeer des Abends gebührt".

MANNHEIM (Nationaltheater):

"Caligula" von Albert Camus

Nach dem Wiener Burgtheater stellte das Mannheimer Nationaltheater das dramatische Erstlingswerk des französischen Nobelpreisträgers von neuem zur Diskussion. Während der ersten Nachkriegsjahre wurde "Caligula" auf vielen deutschen Bühnen gespielt als Tragödie des Terrors, zu dem schrankenlose Macht einen einzelnen verführen kann. In politischen Zeitbezügen – als dramatische Paraphrase etwa von Hitlers Willkürherrschaft oder auch als "Warnungstafel" vor dem "Marsch in den Abgrund" – erschöpft sich jedoch diese radikale "Tragödie der Erkenntnis" nicht, wie Camus sein Schauspiel nannte. Die Neuaufführung konfrontiert mit der philosophischen Grundlage dieser Szenen um den römischen Imperator: die Absurdität des Lebens, demonstriert an einer menschlichen Grenzsituation. Dabei stellt sich "Caligula" als die Revolte einer Jugend gegen die Sinnlosigkeit dar. In der Mannheimer Inszenierung von Ulrich Brecht, Gastregisseur aus Lübeck, wurde der Text effektvoll ausgebreitet, aber keine Stellung bezogen zu den im Stück auch enthaltenen Gegenkräften (Cherea: Wolfgang Höper, Scipio: K. H. Pelser). Die Titelrolle spielte Michael Degen. Bühnenbilder: Hansheinrich Palitzsch.

CISMAR (Klosterspiele):