Von Theo Löbsack

Bademeister und Rettungsschwimmer der südafrikanischen Strandbäder setzen jetzt große Hoffnungen auf ein Gerät, das die Haifische vom strandnahen Wasser fernhalten und ihren Schutzbefohlenen ungetrübte Badefreuden verschaffen soll. Es handelt sich um einen "Ultraschallgenerator", der seine Impulse unter Wasser abgibt. Diese Impulse, so heißt es, würden eine abschreckende Wirkung auf die gefürchteten Raubfische ausüben. Wenn der Apparat einschlägt, wäre endlich eine sichere Abwehr gegen Haie gefunden. Nach einem Bericht aus New Jersey (amerikanische Atlanticküste) nützt auch der bisher benutzte "Vorhang aus Luftblasen" nichts, den ein perforierter, am Meeresboden verlegter Luftschlauch erzeugt.

Von allen Gefahren, die das Meer für den Menschen birgt, ist die Möglichkeit, von einem Haifisch zerrissen zu werden, noch immer die grausigste. Jedes Jahr werden Badende, Sporttaucher und Seeleute von Haien angegriffen, und nicht selten verläuft eine solche Attacke tödlich. Eine dreieckige Rückenflosse taucht auf, ein Schatten huscht heran, ein zähnestarrendes Maul öffnet sich – und das Unglück geschieht, bevor der Überfallene überhaupt zur Besinnung kommt. In seinem Element ist er dem Menschen an Wendigkeit und Stärke hundertfach überlegen.

Gestützt auf die Erfahrungen von Sporttauchern, Tierspychologen und berühmten Hai-Spezialisten wie den Amerikaner Dr. P. W. Gilbert, hat man in den letzten Jahren die verschiedensten Methoden, Hai-Angriffe abzuwenden, ausprobiert – leider mit nur geringem Erfolg. Man weiß noch immer nicht genau, was einen Hai eigentlich zum Angriff auf den Menschen reizt, genauer: unter welchen besondern Umständen dieser Angriff ausgelöst wird.

Seiner Körperform und Lebensweise nach ist der Hai so vollendet seiner Umgebung angepaßt, daß er nahezu 350 Millionen Jahre ohne wesentliche biologische "Konstruktionsänderungen" auf der Erde existieren konnte (die kümmerliche Zeitspanne von einigen hunderttausend Jahren, die der Mensch aufzuweisen hat, ist dagegen kaum der Rede wert.) Sein offenbar ausgeprägtester Sinn ist der "Geruch". Auf der Beutesuche schwimmt er durchs Wasser wie ein schnüffelnder Jagdhund. Zappelt irgendwo ein verwundeter Fisch, so nimmt sein feines Geruchsorgan das ausgeflossene Blut auf weite Entfernungen hin wahr. Das erklärt auch die Tatsache, daß dort, wo ein verwundeter Fisch ins Wasser geworfen wird, oft in wenigen Minuten ganze Hairudel scheinbar aus dem Nichts auftauchen. Aber nicht nur der Blutgeschmack lockt die Tiere. Die verletzte Beute verrät sich auch durch typische Zappelbewegungen, die der Hai mit seinem "Seitenlinienorgan" aus der Ferne als Druckschwankungen im Wasser "ertasten" kann.

Es gibt eine Theorie, die behauptet, daß nur Menschen mit einem ganz bestimmten Körpergeruch den Hai zum Angriff herausfordern. Das müßte freilich noch bestätigt werden. Manche Forscher vertreten auch die Ansicht, es gäbe Haie, die sich wie die berüchtigten Man-Eater unter den Tigern verhalten: Haben sie einmal Menschenfleisch gekostet, so ziehen sie dies allem anderen vor und werden zu gefürchteten Menschenjägern.

Man kennt heute rund 250 verschiedene Haiarten und -rassen. Es gibt große und kleine, harmlose und gefährliche. Haie, die den Menschen angreifen, sind meist zwischen 1,80 und 8 Meter lang. Zu ihnen zählen die Blau- und Hammerhaie, die Weiß- und die Grauhaie, die Makos und die Tigerhaie. Je badefreudiger wir werden, je mehr Freunde sich für den Flossentauchsport finden, um so größer wird natürlich auch die potentielle jährliche Unglückszahl. Allein im Jahre 1959 kam es zu 36 unprovozierten und drei provozierten Hai-Angriffen auf Menschen, davon ungefähr ein Drittel mit tödlichem Ausgang. Da erfahrungsgemäß viele Fälle unbekannt bleiben, dürfte die wirkliche Zahl noch weit höher liegen.