Adenauer und die "Führungsmannschaft" der CDU eröffneten den Feldzug

Von Walter Gong

Dortmund Mitte Juli

In der Westfalenhalle zu Dortmund wurde kein Pardon gegeben: nach dieser Großkundgebung der CDU/CSU weiß man, daß der Wahlkampf 1961 hart und rücksichtslos sein wird, auch in der Außenpolitik. Willy Brandts flehentliche Bitten, außenpolitische Parolen im Werben um des bundesdeutschen Wählers Gunst auszusparen, wurden von Adenauer und Erhard in den Wind geschlagen.

Wollte man – was sich in der Westfalenhalle, diesem traditionellen Boxring, gerade anbietet – in sportlichen Fachjargon verfallen, so müßte man schreiben: Schon der von Nordrhein-Westfalens Innenminister Dufhues bestrittene Vorkampf zeigte, daß die Christlichen Demokraten die Glacéhandschuhe ausgezogen und die Boxhandschuhe angezogen hatten. Den Hauptkampf eröffnete Altmeister Adenauer zwar in vorsichtiger Deckung, dann aber jagte er mit langen, sauber gestochenen Rechten Willy Brandt und dessen Leute erbarmungslos im Ring vor sich her.

Erhards Leberhaken

Den zweiten Hauptkampf führte Titelanwärter Erhard mit zünftigen Magen- und Leberhaken – wer hätte es ihm zugetraut: es gab auch einige gekonnte Tiefschläge. Das Publikum ging begeistert mit. 40 000 wollten kommen, nur 20 000 fanden Einlaß. Lediglich Würstchenmann Ewald, draußen im Gang, meinte unbeeindruckt: "Wir haben schon mehr erlebt." Aber Würstchenmännern geht eben das Gefühl für geschichtliche Augenblicke ab.