Und dann kam, ausgelöst durch eine weitere Frage des Richters Halevi, das böse Ende: In seinem "Innersten", bekannte Eichmann, habe er die Schuld an den sehr wohl erkannten Verbrechen seinen Vorgesetzten gegeben, und so habe er inneren Frieden gefunden.

Das ist es, was viel fürchterlicher ist als hier ein Sadist und dort ein brutaler Schlächter: die unheimliche Fähigkeit von Menschen, sich selbst zu Robotern auch des Schrecklichsten zu degradieren, sich dessen zu entkleiden, was den Menschen zum Menschen macht, nämlich der Verantwortung für das eigene Tun. Dieses aber kann uns um deren und überall alle Tage wieder passieren. Das ist das bittere Fazit dieses Prozesses.

Was aber bleibt? Was sind die Konsequenzen? Soweit es uns, die Deutschen, anlangt, ist mit neuaufgelegter, hektischer Nazischnüffelei nicht viel geholfen, obschon auf diesem Gebiet, vom Staatssekretär bis zum Polizeimeister, manches im argen liegt.

Aber auch, wenn der Prozeß nicht mehr bewirkt als eine nachhaltige und wirksame Mahnung, daß nichts, aber auch gar nichts das eigene Gewissen entlasten kann, weder Kirche, noch Staat oder Partei; und wenn sonst nichts herauskommt, als daß die unsäglichen Schrecknisse, die in Jerusalem wiederauflebten, den Menschen in aller Welt einen Schock versetzten, der sie hellhörig macht für alle Zeiten, wenn nur dies das Ergebnis des Prozesses ist, dann hat er einen Sinn gehabt.