Das Abendprogramm des Deutschen Fernsehens pflegt mit der Spätausgabe der Tagesschau zu schließen, an die dann noch einige Filmberichte gehängt werden. Die ganze Sache ist eine lobenswerte Einrichtung. Das Nachrichtensprechen vor Landkarten und Porträtphotos war und ist ein Notbehelf. Mit dem Ausbau der europäischen Relais-Stationen und einer ins technisch Mögliche gerückten Transatlantischen Fernsehbrücke wird man wohl eines Tages ganz und gar zum aktuellen Filmbericht kommen.

Manchmal aber wird das Provisorium doch ärgerlich. Der Drang zum ergänzenden Kamerabericht sollte unterdrückt werden, wenn man ganz und gar nichts Aktuell-Nachrichtenmäßiges anzubieten hat und stattdessen kleingeschnipselte Kulturfilme in wohldosierten Abständen als Aktualitätenschau einschmuggeln muß. Kürzlich scheint das Fernsehen in Asien Kulturfilme als günstige Ramschware eingekauft zu haben – nun bekommt man seit Wochen schon als Zugabe zur Spätausgabe Mönche, Elephanten und heilige Waschungen zu sehen. Das ist zwar ganz hübsch, hat aber mit gefilmten Nachrichten nicht übermäßig viel zu tun.

Die Sache ist deshalb beredenswert, weil man vor einiger Zeit beim Fernsehen selber wußte, daß mit dem Nachrichten- und Auslandswesen nicht alles zum Besten steht. Gerd Ruge, den man so plötzlich zum übergeordneten Fernseh-Chefredakteur ernannte – wie entließ –, hatte ziemlich genaue Pläne zu einer sinnvolleren Gestaltung der Auslandsvertretungen: Als er dem Chefredakteur auch noch eigene reisende Kamera-Teams an die Seite stellen wollte, war es um seinen Stuhl endgültig geschehen. Was immer an seinen Vorstellungen richtig oder falsch gewesen sein mag – der jetzige Zustand ist unbefriedigend und auch töricht. Einzelne Orte sind überbesetzt, andere Städte werden überhaupt nicht berücksichtigt: Sender-Eitelkeiten und kleine Sottisen führen dazu, daß zwei Häuser um denselben Mann raufen, so daß dann etwa NDR und WDR auf dem Rücken des Sehers einen kleinen Privatkrieg um Peter von Zahn ausfechten.

Solange drahtlose Übertragung nicht möglich ist, gibt es doch Düsenverkehrsmittel, die den Transport von Filmen binnen höchstenfalls 24 Stunden möglich machen. Würde man diese Mittel nützen, dann wäre aktuelle und filmische Nachrichtengestaltung wirklich möglich, und man brauchte in der Spätausgabe der Tagesschau nicht zum zehnten Male zu erfahren, daß viele Kühe in Indien heilig sind. lupus