Neue Höchstleistungen beim Moskauer Länderkampf – USA siegt über UdSSR

Einen solchen "Hagel" von Rekorden, wie jetzt im Moskauer Lenin-Stadion beim Leichtathletik-Länderkampf Sowjetunion gegen die USA hat es bisher bei einem derartigen Treffen noch nicht gegeben. Sechs Weltrekorde wurden aufgestellt und einer wurde eingestellt! Es ging nicht nur um sportlichen Ruhm. Auch diesmal wollten die Russen die Überlegenheit ihres politischen Systems demonstrieren. Die Absicht schlug fehl. Die neuen Weltrekorde verteilten sich gleichmäßig: drei für Amerika, drei für Sowjetrußland.

Den Länderkampf der Männer gewannen die USA-Athleten sicher mit 124:111 Punkten; den Länderkampf der Frauen dagegen die Russinnen ganz überlegen mit 68:39 Punkten. Allerdings muß man zur Entschuldigung der Damen aus Amerika sagen, deren Hautfarbe alle Schattierungen von Weiß über Schokoladenbraun bis zu Tiefschwarz aufwies, daß die Frauen-Leichtathletik in Nordamerika im Gegensatz zu Rußland nur eine Chargenrolle spielt. Es war daher eine Konzession, die zwar eine sportliche Einstellung, aber keinen politischen Blick verrät, daß die amerikanische Athletic Federation diesem von vornherein so aussichtslosen Kampf zustimmte. Da die Frauen-Leichtathletik erst einige Jahrzehnte alt ist, sind hier die Grenzen der Leistungen noch gar nicht abzusehen. Niemand, auch nicht der beste Kenner, hätte es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten, daß eine Frau jemals 1,91 Meter hoch springen könnte, wie dies jetzt ein langbeiniges Mädchen aus Bukarest bewies.

Die Russin Tamara Press, die in Moskau die Welthöchstleistung im Diskuswurf verbesserte und auch den Weltrekord im Kugelstoßen hält, ist eine Dame von furchterregender Kraft. Täglich trainiert sie mit schweren Hanteln, und man erzählt, sie könne fast zwei Zentner zur Hochstrecke bringen.

In der Frauen-Leichtathletik sind in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch viele Weltrekorde zu erwarten. Deshalb kann man den jetzt in Moskau erzielten Welthöchstleistungen der Frauen in der 4 × 100-Meter-Staffel mit 44,3 Sekunden und im Weitsprung mit 6,48 Meter kein sehr langes Leben prophezeien.

Grenze bald erreicht?

Bei den Männern dagegen gab es im Weitsprung schon einmal eine Stagnation, die 25 Jahre andauerte, ehe im vorigen Jahr der amerikanische Neger Ralph Boston den Weltrekord von Jesse Owens verbesserte. In Moskau sprang er nun 15 Zentimeter mehr als Owens im Jahre 1935. Das ist nicht eben viel.