Von Theo Löbsack

Der Volksmund erzählt, der große Newton habe die Gesetze der Schwerkraft entdeckt, als ihm einmal ein Apfel auf den Kopf fiel, und James Watt sei von einem klappernden Teetopfdeckel angeregt worden, die Dampfmaschine zu konstruieren. Charles Darwins große Stunde kam im Sommer 1831, als ihn der englische Botanik-Professor Henslow zu einer Weltumseglung mit dem Vermessungsschiff "Beagle" einlud; auf dieser Reise machte Darwin einen wesentlichen Teil jener Beobachtungen, die später seine welterschütternde "Entwicklungslehre" begründeten.

Den Stationen der Weltreise des großen Engländers folgt jetzt ein großformatiger Bildband, der das Entzücken jedes Naturfreundes hervorrufen wird:

"Die Wunder des Lebens"; Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München; 316 Farbbilder, 5 farbige Falttafeln und 51 einfarbige Abb., 54,– DM.

Ähnlich wie das frühere Werk "Die Welt, in der wir leben" geht das Buch auf eine Serienveröffentlichung der amerikanischen Zeitschrift Life zurück. Es enthält ein überwältigendes Aufgebot an zumeist farbigen Abbildungen, dazu einen von Lincoln Barnett verfaßten und von Fritz Bolle übersetzten Text. Der Band ist geradezu ein Loblied auf die oft leidige Bilderflut unserer Zeit. Es kommt offenbar darauf an, wie man so etwas macht. Hier ist es gekonnt.

Hier sind Bilder, die nicht nur Augen-, sondern auch Verstandesweide sein wollen. Bilder auch, die nicht wahllos zusammengewürfelte Naturdokumente sind, sondern die ein roter Faden verknüpft, – wie die Lebewesen der Erde, die Darwin als Ergebnisse einer langen, auf einfache Urformen zurückgehenden Geschlechterkette erkannt hat.

Noch einmal erleben wir Darwins Reise, folgen seinen Erlebnissen, seinen Versuchen- und Erkenntnissen im Bild. Die Fülle des Gebotenen zwingt dazu, etappenweise vorzudringen, Kapitel für Kapitel. So möchte man den Band in die Hände namentlich junger Menschen wünschen. Er hilft in seiner überzeugenden Konzeption, die Natur zu verstehen, wie es Alexander von Humboldt tat, wenn er sagte: "Das Sein wird in seinem Umfang und inneren Wesen vollständig erst als ein Gewordenes erkannt."