Lieber Unbekannter,

wie seltsam ist mir doch zumute, wenn ich an Sie diese Zeilen richte, Sie, der Sie die Frau Ihres Herzens so beschrieben, wie ich glaube, die Beschreibung meiner Person zu sehen.

Und natürlich – lieber Freund – frage ich mich, ob uns der Zufall so wohl gesonnen, daß auch Sie meiner Idealvorstellung entsprechen. Glauben auch Sie an die Prädestination? Hätte ich wohl sonst die Zeitung, in der Sie inserierten, aufgeschlagen, wenn wir uns nicht finden wollten, Sie, der Sie mich suchen, und ich, die auf Sie gewartet hat?

Aber bitte, verstehen Sie meine Skepsis, wenn ich heute kein Photo beilege; könnten doch durch Zufall unsere Wege sich kreuzen, Sie würden mich erkennen, ohne daß ich von Ihrer unmittelbaren Nähe wüßte. Vielleicht wohnen wir sogar in derselben Stadt!

Ihre Person ist für mich noch in großes Schweigen gehüllt. Ihr Inserat verrät nichts über Ihr Alter, Ihre Größe, Ihre Haarfarbe, über die Farbe Ihrer Augen, über Ihre Schuhgröße – ja, ob Sie wohl auf großem Fuße leben? Und welche Art der Kleidung Sie bevorzugen? Ob Sie gestreifte, gepunktete Schlipse tragen? Alles psychologische Momente!

Wollen wir nicht versuchen, durch einige persönliche Zeilen unsere menschliche Beziehung anzubahnen und erst dann das Geheimnis unserer menschlichen Hülle preisgeben? In der freudigen Erwartung, bald Ihre Antwort in Händen zu halten,

aufrichtigst aus tiefstem Herzen