Professor Jacques Rueff, Paris, hat in seiner Artikelfolge über die Nachteile des Gold-Devisen-Standards eine kritische Analyse der weltweiten währungspolitischen Situation vorgebracht. Es besteht kein Zweifel, daß Rueff mit seinen Überlegungen im Grunde recht hat. Er legt den Finger auf eine Wunde, die, wenn sie nicht geheilt wird, für die westliche Welt gefährlich werden kann. In seinen Darlegungen äußert er allerdings gegenüber allen Heilmitteln, die sich ihm anbieten, Zweifel.

Rueff spricht wohl von den Gefahren des Gold-Devisen-Standards, hält ihn aber nicht für unbedingt falsch. Das ist er auch nicht. Tatsächlich liegt der Unterschied zwischen dem Gold-Standard und dem Gold-Devisen-Standard allein darin, daß vom Gold-Standard ein Zwang zu einem zahlungsbilanzkonformen Verhalten ausgeht. Den Gold-Devisen-Standard dagegen, das hat Rueff klargemacht, kann man mißbrauchen. An die Stelle der Automatik des Gold-Standards tritt daher bei ihm die Notwendigkeit der währungspolitischen Disziplin. Diese aber wurde in den Nachkriegsjahren keineswegs immer geübt. Läßt sich daran etwas ändern? Sind vor allem die USA und Großbritannien als Träger von Reserve-Währungen willens und fähig, ihre Zahlungsbilanzen durch wirtschaftspolitische und sozialpolitische Maßnahmen wieder in Ordnung zu bringen? Währungspolitische Manipulationen scheiden für sie aus, wenn sie das Vertrauen, das andere Länder in sie setzen, nicht verlieren wollen. Geheimrat Dr. Wilhelm Vocke, der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, hat schon vor einem Jahr als mögliche Lösung eine Anpassung an. den Gold-Standard empfohlen.

Er glaubt, daß eine Reihe von Notenbanken bereits heute in der Lage ist, sich so zu verhalten, als ob es einen Goldstandard gäbe. Diese Länder könnten sich zu einem Klub zusammenschließen und sich verpflichten, jederzeit untereinander jeden geschuldeten Betrag bei Fälligkeit in Gold einzulösen.

Wahrscheinlich käme es dabei zu keinen großen Goldbewegungen, solange die einzelnen, dem Klub angehörenden Länder sich zahlungsbilanzkonjorm verhalten. Erst wenn ein solches Gold-Klub-Land aus der Reihe tanzt und beginnt,sich in bedenklicher Weise zu verschulden, muß es die Kensequenzen seines Verhaltens tragen. Es wird dann schnell eines besseren belehrt werden oder es verliert sein Gold und scheidet aus dem Klub aus.

Notenbanken, die dem Gold-Klub nicht angehören, werden den Ehrgeiz besitzen, in die Reihe der "Exklusiven" aufzusteigen. Das wirkt erzieherisch und erschwert den Mißbrauch des Gold-Devisen-Standards. Das allgemein gültige Prinzip fixer Wechselkurse, wie es im Internationalen Währungsfonds jetzt statuiert ist, ließe sich allerdings nach Vocke’s Meinung für die außerhalb des Gold-Klubs stehenden Länder nicht mehr aufrecht erhalten. Eine Notenbank, die nicht bereit wäre, ihre Währung jederzeit in Gold einzulösen, müßte es sich gefallen lassen, daß diese vom Markt schlechter bewertet würde.

Das Wesentliche an diesem dem Gold-Standard angenäherten Währungssystem wäre wohl, daß die Valuten mit variablen Wechselkursen sich nicht weiterhin an irgendeinem Index oder an der Kaufkraft einer Leitwährung, sondern am Gold orientieren müßten. Der Goldpreis aber tendiert heute eher nach oben als nach unten. Das Gespenst einer allgemeinen Weltinflation ließe sich bannen und die Verantwortung für die Stabilität der Währungen würde wieder dorthin verlegt, wo sie hingehört: nämlich zu den Regierungen der Länder.

Inwieweit die Welt in der Lage ist, schon jetzt ein solches Währungssystem einzuführen, wird sich bald zeigen. Die Amerikaner sind fähig, die Führung in einem Gold-Klub zu übernehmen; hierfür reichen ihre Goldvorräte aus. Sie werden auch ihre Zahlungsbilanz in Ordnung bringen und damit die Gefahr, daß weiterhin Gold in Großen Beträgen abfließt, bannen. Die Schwierigkeiten liegen beim Pfund-Sterling. Möglicherweise ist Großbritannien im Augenblick nicht in der Lage, einem "Klub der Exklusiven" beizutreten. England müßte es sich dann gefallen lassen, daß das Pfund am Markt schlecht beurteilt würde. Das mag im Augenblick die Verwirklichung solcher Ideen etwas schwieriger gestalten. Für eine definitive und gute Lösung kann diese Schwierigkeit aber nicht ein endgültiges Hindernis sein.

Waldemar Ringleb