Die "Schlacht von Biserta" hat drei Tage gedauert, und am Sonntag war die Stadt wieder ruhig. Aber was ist das für eine Ruhe, von der die Berichterstatter erzählen?

Die Fallschirmjäger in ihrem "Leoparden-Kampfanzug" stehen neben den Panzerwagen am Eingang der Europäer-Stadt; nur wenige Meter entfernt stehen die tunesischen Soldaten. Die einen beobachten die anderen. Das ist die Ruhe von Biserta. Und drückende Hitze liegt über der Stadt.

Als keine Schüsse mehr fielen, war zunächst alles totenstill. Die Paras hier, die Tunesier dort rauchten ihre Zigaretten. Einzelne Neugierige schlichen umher, um die Trümmer zu zählen, es war nicht allzu schlimm. Dann gingen einige Rollläden der Geschäfte hoch. Französische Hausfrauen, hier, tunesische dort betraten scheu die Straßen, auf denen noch die Gefallenen lagen, und reihten sich in die "Schlange" vor den Läden ein, um einzukaufen. Nach drei Tagen Ausgangssperre waren die Lebensmittel aufgebraucht. Man wollte schließlich essen. Erst das Essen, dann die Politik.

Am Nachmittag brodelte dann wieder Volkszorn in den verschiedenen Stadtvierteln. Die Straßen waren voller Menschen. Tunesier packten einen Franzosen und schleppten ihn weg, ehe seine Landsleute begriffen, was passiert war. Er kehrte abends zurück. Nichts weiter war geschehen, als daß er – zur Strafe dafür, daß er Franzose war – hatte zusehen müssen, wie die Tunesier die Leichen auf Handwagen luden und begruben. Sie redeten ihm ein, es seien die französischen Truppen, die zuerst angegriffen hätten: die "Imperialisten", die "Kolonialisten" ...

In Wirklichkeit hatten die Franzosen große Selbstbeherrschung gezeigt: Zwei Stunden nachdem die Tunesier den Angriff auf die Stützpunkte begonnen hatten – schon gab es Tote auf französischer Seite – traten die Soldaten zum Gegenangriff an. Mehr noch: Am 9. Juli hatten die Tunesier begonnen, ihre Gräben aufzuwerfen und alle Arten von schweren Waffen um das französische Sperrgebiet zu sammeln. Die Fallschirmjäger aber trafen erst am Abend des 19. Juli ein.

Der Grund dafür, daß die Verluste der Tunesier so groß – fast 700 Tote – aber die der Franzosen so gering waren – 30 Gefallene – liegt auch in der Tatsache, daß die Reihen der tunesischen "Freiwilligen" mit Frauen und Halbwüchsigen "aufgefüllt" waren, während die Fallschirmjäger kampferprobte Männer sind. Dort lodernde Wut, hemmungslose Erregung – hier kühle Disziplin.

Kaum war nach drei Tagen Ruhe in der Stadt, erklärten die "Paras" in ihrer Tigertracht: "Die Tunesier haben gut gekämpft. Bravo! Mutige Leute!" Und sie nahmen das Eingeständnis Burgibas zur Kenntnis: "Ja, die tunesischen Truppen haben als erste das Feuer auf die französische Garnison von Biserta eröffnet. Aber wir sind schließlich in unserem eigenen Lande!" – Na also, da sagte er’s ja selber: Ergo hatten die Paras bloß ihre Pflicht getan. Sie kennen die Erregbarkeit des arabischen Temperaments: "Es wird sich alles arrangieren", sagte einer der "Getigerten". Und sie loben, daß der Chef der tunesischen Truppen, Mohammed Bedjaui, an der Spitze seiner Leute gefallen sei. Immerhin hat er ja auch einst, in Indochina, als französischer Offizier tapfer gestritten ...