Der großartige Sieg von Heidi Schmid bei den Fecht-Meisterschaften in Turin hat überall die Erinnerung an Helene Mayer wachgerufen. So schreibt der "Corriere della Sera": "Deutschland hat also eine neue Weltmeisterin, nach 30 Jahren eine neue Helene Mayer, wenn die brünette Heidi Schmid auch wenig an Helene Mayer erinnert, die blond, groß und athletisch war."

Als 1937 die "blonde Hee", die Olympia-Siegerin von Amsterdam, in Paris zum dritten Male die Weltmeisterschaft im Florett-Fechten errang, durfte dieser sportliche Triumph der deutschen Öffentlichkeit auf Anordnung des Propaganda-Ministeriums nicht mitgeteilt werden. Die "Frankfurter Zeitung" wagte es, die Meldung wenigstens in einer Zeile zu bringen. "Hees" Ahnentafel entsprach nicht den Wünschen der damaligen Machthaber.

Zwar war ihre Teilnahme erlaubt worden, weil die Regierung die internationalen Verbände und besonders das I.O.C. nicht verärgern wollte. Aber der "Sprachregelung" des "ProMi" entging sie nicht. Befehl "von oben": "Der Name Helene Mayer darf in der Presse nicht mehr erscheinen!" Sie emigrierte daraufhin endgültig, nachdem sie schon vorher in Los Angeles studiert und ihr Examen gemacht hatte, nach den USA.

Aber auch in Kalifornien blieb sie nicht unbehelligt. Diesmal war es Thomas Mann, der sie in einer seiner Radioreden angriff, weil sie 1936 den olympischen Spielen nicht ferngeblieben und für Deutschland gestartet war. Daraufhin verlor Helene Mayer ihre Stellung als Dozentin an ihrem College.

Ein anderes College hat sie nach einiger Zeit doch berufen. Und hier erhielt sie nach Jahren sogar eine Professur.

Jahr für Jahr gewann sie mit stupender Überlegenheit die amerikanische Fechtmeisterschaft. Und noch 1948 hatte sie Chancen, erneut Olympiasiegerin zu werden. Aber nach den olympischen Bestimmungen, die einer Zeit entstammen, da von Flüchtlingen noch nicht die Rede war und da der Start nur immer für ein einziges Land erlaubt ist, durfte sie für die USA nicht antreten.

Nach dem Kriege kehrte Helene Mayer nach Deutschland zurück, heiratete einen bekannten Architekten und ließ sich mit ihm in Heidelberg nieder, Ihre Hunde und ihre Bücher hatte sie aus Kalifornien mitgebracht. Aber nur kurz währte das Glück. Ein heimtückisches Leiden raffte sie, kaum 40jährig, hinweg.

Helene Mayer war nicht nur die bisher größte Fechterin in der Welt, sie war die erfolgreichste deutsche Sportlerin überhaupt, er.