Von Wolfgang Ebert

Es ist kein Geheimnis geblieben, um was und um wen es dabei geht, wenn jetzt Mitglieder amerikanischer Botschaften diese unauffällig verlassen und in ihre Heimat zurückkehren.

Es handelt sich um meine armen, alten, vielgeschmähten Freunde vom Geheimdienst, der CIA. Und das Ganze läuft auf eine von Präsident Kennedy gewünschte Umbildung des Geheimdienstes hinaus.

Auf einigen Botschaften wird es da gehörige Überraschungen geben. Da hielt man einen Kollegen immer für einen zwar netten, aber doch ziemlich naiven, einfältigen und ganz unfähigen Patron – und plötzlich packt er seine Koffer, um nach Amerika zurückzukehren, und offenbart damit zugleich, daß er in Wirklichkeit ein Geheimdienstmann war.

Die Umorganisation des amerikanischen Geheimdienstes wurde bei einer Unterredung zwischen Präsident Kennedy und seinem Militärbeauftragten General Taylor beschlossen. Die Unterredung war vertraulich, und zwar so vertraulich, daß ihr Inhalt erst am nächsten Tag in der Presse stand.

Das ist für amerikanische Verhältnisse ziemlich langsam. Bekanntlich könnte der Präsident die geheimsten Berlin-Pläne in "Newsweek studieren, bevor sie ihm dann in aller Heimlichkeit zugeleitet wurden. Das ist ja so liebenswert an der amerikanischen Presse, daß sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube macht.

Natürlich können die Sowjets nicht alle Geheimnisse den amerikanischen Zeitungen entnehmen. Manchmal wissen diese gar nicht, daß etwas geheim ist, und drucken es deshalb nicht.