Das Fernsehen ist familienfördernd. Anhänglichkeit unter Ehepaaren, tatkräftige Unterstützung auch in Mühsal und Arbeit gedeihen in TV-Studios besser als anderswo. Kaum daß Fernseh-Kameras sichtbar werden, fällt Regisseuren ein, daß sie schauspielende Ehefrauen haben, wird schreibenden Damen bewußt, daß sie regieführende Ehemänner besitzen. Aufs zarteste geht man sich hilfreich zur Hand.

Carla Hagen zum Beispiel hat den ihr angetrauten Schiller-Theater-Oberspielleiter Hans Lietzau noch kaum allein gelassen; wo: immer es möglich war, hat sie in seinen Fernsehinszenierungen eine der Hauptrollen übernommen. Paul Rilla, Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur, läßt es sich nicht verdrießen, seiner Frau Alix du Frênes Arbeit unter die Leute zu bringen; daß er dabei vor nichts zurückschreckt, zeigte eben erst seine Inszenierung ihrer Nibelungen-Moritat.

Letzte Woche nun zeigte sich Carl-Heinz Schroth finster entschlossen, dem Gerede von schlechten Schauspieler-Ehen entgegenzutreten; seine Frau Karin Jacobsen schrieb nicht nur das Stück, das er inszenierte, sie spielte auch gleich die Hauptrolle. Das Stück hieß "Wege des Zufalls" und nannte sich eine Komödie, weil es doch so überaus spaßhaft ist, wenn verfolgte Künstler im Dritten Reich an Auswanderung, Flucht und Selbstmord denken. Auf dem Niveau des Boulevard-Gesellschaftsspiels wurde die deutsche Geschichte des letzten Vierteljahrhunderts abgehandelt, wobei das Resultat der Widerruf einer Scheidungsklage war. Das Familienunternehmen inszenierte und spielte recht hübsch, auf jeden Fall weit besser, als es gedichtet hatte. Doch hat es sich ja in die Hand versprochen, auch in schlechten Tagen treu zueinanderzustehen.

Zwei ernsthaftere Dinge in der zweiten Wochenhälfte: aus Berlin die vielgerühmte und preisgekrönte Aischylos-Nachdichtung Matthias Brauns, "Die Perser", in der leicht veränderten Schiller-Theater-Inszenierung; aus Stuttgart Thornton Wilders "Königinnen von Frankreich", der zum einaktigen Schauspiel ausgewalzte Sketch von dem Hochstapler in New Orleans, der leichtgläubigen Emigrantinnen einredet, rechtmäßige Anwärterinnen auf den Thron Frankreichs zu sein. Hans Dieter Schwarze hatte das sehr ironisch und luftig in Szene gesetzt; Ida Ehre kam ihm vor allem dabei zu Hilfe, die Vieldeutigkeit im weiblichen Prätendententum deutlich zu machen. lupus