Zur politischen Spannung, die gegenwärtig dem ruhesuchenden Zeitgenossen den Urlaub, vergällt, gesellt sich für den Wirtschafter auch noch eine ökonomische Aufregung. Man ist vor allem in Bankkreisen aller Stufen beunruhigt über die zukünftige internationale Währungsordnung und verlangt von den Fachleuten der monetären Disziplin gute Ratschläge. Diese sollen dann anläßlich der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im September auf Herz und Nieren geprüft – und das beste davon realisiert werden.

Die Unausgeglichenheit der Zahlungsbilanzen, die vorwiegend dem Dollar und dem Pfund zugesetzt, hinwiederum die D-Mark, den Gulden und den Franken in "positive" Verlegenheit gebracht hat, verlangt ein den neuen wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßtes Währungssystem, einen modernen Steuerungsmechanismus. Im Zeitalter der Automatisierung sollte auch die Regulierung der Valuten mittels einer Automatik vor sich gehen, die narrensicher ist! Spezialisten von Rang haben sich bisher zum Thema geäußert und an die Adresse des IWF ihre Vorschläge gerichtet. Es gibt heute schon einen Triffin-, Bernstein- und Stamp-Plan, die alle dem Währungsfonds einen größeren Operationsbereich einräumen wollen. Die Rueff-Kritik dagegen wünscht eine Rückkoppelung des Währungsstandards an das Gold und möchte die das Währungsgeschehen verzerrenden Dollar- und Pfundreserven bei anderen Notenbanken zum Verschwinden bringen. Neuerdings hat sich auch der ehemalige deutsche Bundesbankpräsident Vocke mit einer milderen Planvariante in die Diskussion eingeschaltet: Er wünscht einen Goldstandard für die "Starken", für jene Devisen also, die es sich leisten können. Und schließlich ist da noch der Plan von Jean Monnet, der den gordischen Knoten kurzerhand zerhauen will und ganz einfach die Bande zwischen den angelsächsischen Währungen (Dollar und Pfund) und den europäischen Valuten zerschneiden will. Die zusammengefaßten europäischen Währungsreserven sollen eine manövrierfähige Basis für eine europäische Währungseinheit schaffen und damit zum Partner – einem ebenbürtigen oder gar stärkeren – von Dollar und Pfund werden (sofern das Pfund nicht in das europäische Lager überwechselt!).

Worum geht es also? Auf der einen Seite stehen die Anhänger des Internationalen Währungsfonds, die diesem weltweiten System unter Führung des Dollars neuen Atem einhauchen wollen. Neben dem Gold sollen weiterhin die anerkannten Reservewährungen als Regulierungsmedia wirken. Der im gegenwärtigen Zeitpunkt etwas schwache Dollar und das notleidende Pfund sollen durch eine Sanierungsaktion der "Starken" wieder in den Sattel gehoben werden. Auf der anderen Seite stehen die Skeptiker, die an eine straffe Währungsdisziplin unter dem jetzigen System – das sie nur als eine Übergangslösung bezeichnen – nicht mehr glauben; sie fordern entweder die Härte des Gold-Standards oder dann mindestens eine Annäherung an ihn, indem die Starken sich nach den Spielregeln des Gold-Standards verhalten. Oder sie sehen eine Möglichkeit, der Labilität des weltweiten IWF-Systems zu entwischen, indem sie jetzt eine europäische Währungspolitik einleiten und damit kongruent zum Integrationsprozeß eine monetäre Verschweißung der europäischen Nationen einleiten. Sozusagen als Nebenprodukt dieser Lösung würde man in Europa eine Koordination der Wirtschaftspolitik in den verschiedenen Ländern erzwingen. Etwas also, wozu sich längst noch nicht alle Regierungen des alten Kontinents freiwillig entschließen könnten. Die beiden nachstehenden Kommentare beschäftigen sich mit den neuesten Vorschlägen von Monnet und von Vocke. Rle.