Bis hinauf in die Hamburger Redaktionen schickt die italienische Haute Couture ihre Einladungen zu ihren Modevorführungen in Rom und Florenz. Vor zehn Jahren hat Italien den ersten organisierten Versuch gemacht, mit dem Weltmodezentrum Paris zu konkurrieren. Seine besten Couturiers, darunter Herzöge und Prinzessinnen, haben den Wettstreit begonnen, und wie auf vielen anderen Gebieten, hat Italien sich nach dem Krieg auch hier durch die Güte des Materials, die ästhetische Qualität und den Einfallsreichtum schnell einen Namen gemacht. Doch bleiben viele Vorschläge Italiens allzu verspielt und farbenprächtig einem südlichen Klima verhaftet. Ein Nachteil ist es auch, daß Rom und Florenz sich gegenseitig Konkurrenz machen und durch diese Dezentralisation die Kunden strapaziert werden. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß einer der begabtesten italienischen Modemacher, der 31jährige Roberto Capucci, jetzt Abschied von Florenz nahm und einen Salon in Paris eröffnen will. Die Herbst- und Winterschauen im prächtigen Palazzo Barberini in Rom und im Palazzo Pitti in Florenz zeigten eine Weiterentwicklung bisheriger Tendenzen: Es wird – das ist im Süden noch selbstverständlich – eine sehr weibliche Linie betont, die Schultern sind zart abfallend, Redingote-Modelle herrschen vor, und die Röcke sind immer noch außerordentlich kurz.