BADEN-BADEN (Kunsthalle): "Das naive Bild der Welt"

Rund 250 Bilder der "peintres naifs" aus vielen Ländern zwischen Osteuropa und Südamerika: zum erstenmal zeigt ein deutsches Museum das Gebiet der Sonntagsmalerei in diesem Umfang. Es beginnt bei den französischen Klassikern dieses Genres: Rousseau, Bombois, Vivin. Dann die Amerikaner mit dem Schneider Hirshfield, dem Zimmermann und Boxer Kane und Gertrude O’Brady, der italienische Schuster Metelli, der polnische Analphabet Nikifor. In Haiti gibt es eine ganze Schule von "primitiven Malern", die früher als Schneider, Mechaniker, Taxichauffeure arbeiteten und dann im Centre d’art in Port-au-Prince eine gewisse Schulung erhielten, was dem strengen Begriff der "naiven Malerei" zuwiderläuft. Aber dieser Begriff ist ohnehin nicht klar zu definieren. Im Katalog der Ausstellung äußern sich die verschiedensten Experten darüber, wos sie nun eigentlich unter naiverMalerei verstehen, und alle kommen zu anderen Ergebnissen: Georg Schmidt und Franz Roh und Oto Bihalji-Merin, dessen 1959 erschienenes Buch "Das naive Bild der Welt" der Ausstellung den Titel gegeben hat, und Dietrich Mahlow, der Direktor der Kunsthalle Baden-Baden. Es gibt Sonntagsmaler, die das Malen professionell betreiben, und auch jene Herzenseinfalt, die Wilhelm Uhde an den von ihm entdeckten Primitiven rühmte, ist kein sicheres Kriterium. Trotzdem haben die ausgestellten Bilder vieles gemeinsam: die Unberührtheit von den Problemen der Gegenwart, die Drastik der Aussage, die Freude am Detail. Die Ausstellung dauert bis zum 4. September und geht anschließend ins Historische Museum Frankfurt (16. September bis 19. Oktober) und zum Kunstverein Hannover (29. Oktober bis 10. Dezemoer).

FREUDENSTADT (Stadthaus): "Schlemmer – Kerkovius – Lörcher"

Was man im allgemeinen in kleineren Kurorten an Kunst zu sehen bekommt, ist künstlerisch anspruchslos – Andenkenbilder für die Kurgäste, hergestellt von den ortsansässigen Malern. Freudenstadt bildet da eine seltene und rühmenswerte Ausnahme. Die Kurverwaltung hat zusammen mit dem Volksbildungswerk eine Ausstellung aufgebaut, die sich in jeder Großstadt sehen lassen könnte und die außerdem auch noch dem landschaftlichen oder geographischen Aspekt Rechnung trägt: die drei ausgestellten Künstler sind in Stuttgart beheimatet. Ida Kerkovius ist mit älteren und jüngsten Aquarellen und Pastellblättern vertreten. Von Alfred Lörcher sieht man einige seiner köstlichen Reiefs und Kleinbronzen, Seilkletterer, Radfahrer, Zuschauer, Fernseher, Konferenzen. Der fünfundachtzigjährige Bildhauer macht sich über die heutigen Massenveranstaltungen lustig und findet zugleich ganz überzeugende plastische Lösungen für die formale Beziehung zwischen Individuum, Kollektiv und Raum. Dazu Blätter von Oskar Schlemmer (Leihgaben aus der Württembergischen Staatsgalerie), einige seiner berühmten "Halbfiguren" und "Folkwang-Gruppen"! Die Ausstellung, die bis zum 6. August dauert, wurde bisher überraschend gut besucht – das Beispiel Freudenstadt sollte Schule machen.

DARMSTADT (Kunsthalle): "Bauhaus"

Im Frühjahr wurde auf der Mathildenhöhe In Darmstadt ein ständiges Bauhaus-Archiv eingerichtet. Jetzt bringt die Kunsthalle – bis zum 6. August – unter dem Patronat von Walter Gropius eine Ausstellung, die in 150 Großphofos, Modellen, Plänen und Grundrissen die Bauhaus-Idee demonstrieren will. Kandinsky, Klee, Feininger, Schlemmer werden nicht als Maler gezeigt, sondern als Lehrer mit pädagogischen Anweisungen und Übungen. Der Hauptakzent liegt bei der Angewandten Kunst, den Entwürfen für Tapeten, Möbel, Typographie, Photographie und vor allem bei der Architektur. Was die Bauhausmeister in den zwanziger Jahren geschaffen haben, fand später in Amerika große Resonanz und hat von da aus überall die Formgebung in der Architektur, aber auch in der Industrieproduktion maßgeblich beeinflußt. In diesem Prozeß hat die Bauhaus-Idee viel von ihrem ursprünglichen Elan eingebüßt, aber das allgemeine Geschmacksniveau doch beträchtlich angehoben.

BERLIN (Ost und West): "Kunst zum 10. Deutschen Kirchentag"

Als Thema für einen Graphikwettbewerb hoffe der Kirchentag diesmal den 42. Psalm gewählt. Die Ergebnisse der westdeutschen Teilnehmer sind im Messegelände am Funkturm ausgestellt. Ein erster Preis wurde nicht vergeben, von den 500 eingesandten Arbeiten seien 300 undiskutabel gewesen, sagte Klaus von Bismarck, Mitglied des Kirchentagspräsidiums. Die Arbeiten der mitteldeutschen Künstler sind in der Parochialkirche in Ostberlin ausgestellt. Den ersten Preis erhielt Erwin Haß, mit dem zweiten Preis wurde Josef Hegenbarth ausgezeichnet. Außerdem werden in der Parochialkirche auch Glasfenster und kirchliches Gerät gezeigt. Initiator dieser Schau ist der "Kunst-Dienst der evangelischen Landeskirchen in der DDR", der ähnlich wie der Kirchliche Kunstdienst in Westdeutschland die Gemeinden bei der Ausgestaltung der Kirchenräume berät. In der Westberliner Lutherkirche hat Leopold Reidemeister "Religiöse Graphik des deutschen Expressionismus" zusammengestellt. Barlach, Nolde, Rohlfs haben der religiösen Kunst aus der Erstarrung herausgeholfen. Es sind auch Kirchner, Kokoschka, Beckmann dabei – ob man ihre wenigen Blätter mit religiöser Thematik aber wirklich als einen Beitrag zur religiösen Kunst befrachten kann, erscheint doch recht problematisch. g. s.