Professor Theodor Eschenburg hatte in Nummer 29 der ZEIT vom 14. Juli die Rolle der FDP zwischen den beiden großen Parteien untersucht. Die Redaktion hatte dieser Analyse die Überschrift gegeben: "Lohnt es sich, FDP zu wählen?" War es die kühle, scharfsinnige Betrachtung oder der etwas reißerische Titel oder vielleicht auch ein besonders geschärfter politischer Sinn der FDP-Mitglieder, jedenfalls ist uns eine Fülle von Protesten und Stellungnahmen zugegangen, die wir hier in Auszügen veröffentlichen, zusammen mit einer neuerlichen Stellungnahme Eschenburgs. Der Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Dr. Eduard Leuze, hat den derzeitigen Tübinger Rektor in der Stuttgarter Landespressekonferenz scharf angegriffen. Er sagte, wenn Eschenburg behaupte, die FDP habe keine Persönlichkeiten von Format, so spiele er sich damit als "Magister Germaniae" auf, der es sich anmaße, in Bausch und Bogen zu richten. Das sei "reine Agitation und habe mit politischer Wissenschaft nichts zu tun". Der Minister und Zweite FDP-Landesvorsitzende meinte, er könne darum in diesem Zusammenhang nicht von einem Professor sprechen und schon gar nicht vom Rektor der Tübinger Universität.

Magnifizenz! Sehr geehrter Herr Kollege!

Die Gründe meiner Besorgnisse über das von Ihnen vertretene Zwei-Parteien-System: die Hybris, die die CDU in ihrer absoluten Mehrheit nun zunehmend entwickelt – Beispiele brauche ich hier nicht aufzuzählen–, vor allem aber auch die schreckliche Tendenz der Deutschen, aus nüchternen Beobachtungen und einfachen Tatsachen gleich Prinzipien und Grundsätze zu machen, die sich zu Ideologien verhärten, um am Schluß gar als Glaubenssätze ausgegeben zu werden.

Sie werden mich fragen, was die Freien Demokraten mit ihren Freiheitsideen dagegen zu bieten haben. Schwache Geister der CDU operieren fahrlässig mit der längst überholten Abneigung gegen das Wort "Liberalismus". "Das ist ein Liberaler" wird in hund- und holzhammerscher Diktion kolportiert, so wie es in spießbürgerlichen Kreisen auch heute noch üblich ist, diesen oder jenen größeren Sozialdemokraten mit der Äußerung "doch ein Sozi" abzutun. Nun, wer sich der Mühe unterzieht, festzustellen, was die Freien Demokraten wollen, wird erfahren, daß wir genau wissen, wovon wir frei sein wollen, wofür und wodurch. Unsere Grundhaltung ist die disziplinierte Freiheit.

Erich Boehringer,

Präsident a. D., Professor Dr. phil.