Von Janusz Oseka

Polen hält den europäischen Rekord im natürlichen Bevölkerungszuwachs. Die polnische Regierung sucht seit langem nach Auswegen, wie sie dem ungeheuer starken "Vermehrungsdrang" ihrer. Bürger entgegentreten könnte. Das vor zwei Jahren verabschiedete Gesetz, das Abtreibung erlaubt, ja sogar fördert, hat nicht viel genützt. Die Zuwachsrate fiel kaum wahrnehmbar. Wurden vor zwei Jahren 27 Geburten auf 1000 Einwohner jährlich notiert, so sind es heute immer noch 24 bis 25. Aus der satirischen Zeitschrift Spilki ("Nadeln"), die in letzter Zeit immer wieder die Fruchtbarkeit der Polen beleuchtete, stammt der folgende Beitrag:

Kinder sind die Zukunft unseres Vaterlandes. Darum lohnt sich dann und wann die Mühe, sie zu zählen, um festzustellen, ob ihre Menge genügt. In einem Gespräch mit Herrn Z., einem Einwohner von Muranow, konnte ich mich überzeugen, daß diese Absicht jedoch oft viel Kummer bereitet. Als ich ihn fragte, wie viele Kinder er habe, wurde er verlegen und antwortete unsicher:

"Wenn ich sie zum Abendbrot rufe, dann kommen mehr oder minder neun bis zehn ... Schließlich wird es meine Frau genauer wissen." Wir gingen zu seiner Frau. Doch auch sie war nicht in der Lage, uns eine klare Auskunft zu geben.

"Der Mensch wird tagsüber so gehetzt", beklagte sie sich, "daß man keine Zeit zum Zählen hat. Der Milchmenge nach zu urteilen, die ich zum Frühstück kaufe, müßten es ungefähr elf sein."

"Ich zähle eben, wie oft man mich in die Schule zitierte", sagte Herr Z. "Doch es ist schwer, dies heute noch festzustellen ..." "Ihre Kinder gehen also schon in die Schule?" fragte ich hoffnungsvoll.

"Oh, sicherlich gehen einige schon in die Schule", meinte Herr Z. "Kürzlich forderte man mich sogar auf, wegen der Zwillinge zur Schulleitung zu kommen. Hatten wir überhaupt mal Zwillinge?" fragte er mit leisem Mißtrauen seine Frau.