Gr., München

Ein Taxi ist schwarz. Manchmal hat es einen weißen Streifen an der Seite. Manchmal aber auch nicht. Die Aufschrift "Taxi" trägt es an der Windschutzscheibe, am Rückfenster und (oder) auf dem Dach. Das ist ganz verschieden. Ein bayrisches Taxi erkannte man früher. obendrein noch an den Kugellampen mit dem schwarzen Kreuz an der Windschutzscheibe.

Um die Kennzeichen, die einen schwarzen Wagen zum Taxi machen, einheitlich zu regeln, erließ das Bundesverkehrsministerium neue Richtlinien. Die Neuregelung der Betriebsordnung für Kraftfahrzeuge bestimmt, daß die Taxis ab 1. Juli im gesamten Bundesgebiet ein bei Nacht, erleuchtetes Schild mit der Aufschrift "Taxi" auf dem Dach zu tragen haben.

Jetzt müssen die bayrischen Taxichauffeure also ihre Lampen abmontieren. Sie hatten einen Vorteil: sie konnten ausgeschaltet werden. Damit zeigte der Taxifahrer an, daß sein Wagen besetzt war. Nach Seebohms Anordnung kann er das nur noch mit dem beleuchteten oder unbeleuchteten "Frei"-Schild. Das sieht man jedoch nachts nicht – weder in Bayern noch in den anderen Bundesländern.

Aber die Bayern ärgert etwas anderes: Der bayrische Heimat- und Königsbund wettert im Juliheft seiner "Weiß-blaue Rundschau" gegen die Bonner Neuregelung: "Ein treffliches Beispiel des sich überschlagenden Zentralismus. Sicher, man könnte über diese Kapriole mit dem Gefühl, daß sie sich durch ihre Lächerlichkeit selbst richtet, zur Tagesordnung übergehen, wenn sie, ja, wenn sie nicht ein nur zu deutliches Symptom für eine bedenkliche politische Entwicklung eines Bundesdeutschland wäre... Man sollte seitens des bayrischen Staates auch grundsätzlich und immer wieder in Bonn wissen lassen, wo die Aufgaben einer Bundesinstanz liegen und wo sie absolut keine Gegenliebe erzeugen, vor allem, wo sie zur Brüskierung der Bundesstaaten und der föderativen Staatsordnung werden."

Wenn ich demnächst einem bayrischen Tari nachts zuwinke und es hält nicht, dann weiß ich wenigstens: Daran ist nur der Bonner Zentralismus schuld...