Von Mozarts Zeitgenossen Cimarosa, der 67 Opern komponiert hat, wird "Die heimliche Ehe" heute noch gespielt. Köln stellte eine andere opera buffa neu heraus: "Weiberlist". Helmut Matiasek inszenierte das Rokokospiel, leicht parodierend, vor einem das Unwirkliche betonenden Bühnenbild von Erich Kondrak. Unter der musikalischen Leitung von Siegfried Köhler sangen Edith Mathis, Doris Lorenz, Helga Jenkel, Heiner Horn, Hans Günter Schramm und Martin Häusler.

GÖTTINGEN (Deutsches Theater)

"Der Revisor" von Gogol

Die letzte Einstudierung der Spielzeit hatte Heinz Hilpert selber geleitet. Seine Inszenierung förderte aus der Satire auf die russische Kleinstadtmentalität der Zarenzeit das zeitlos Allzu-Menschliche zutage. Das Publikum war begeistert. In den Hauptrollen Klaus Abramowsky (Chlestakow), Eberhard Müller-Elmau (Stadthauptmann), Rainer Geldern und Jöns Andersson. Szenenbeifall erhielten Joachim Wichmann und Klaus Behrendt als Bobtschinskij und Dobtschinskij.

GLYNDEBOURNE (Festspiele) "Elegie für junge Liebende" von H. W. Henze

Henzes Kammeroper, die bei den Schwetzinger Festspielen in deutscher Textübersetzung uraufgeführt worden ist (ZEIT Nr. 22/61), erlebte ihre zweite Premiere in englischer Sprache, der "Ursprache" des Librettos. Günther Rennert, der die künstlerische Leitung der Festspiele in Glyndebourne übernommen hat, berücksichtigte bei seiner Inszenierung die Schwetzinger Erfahrungen, indem er das Werk erheblich kürzte. Die Hauptpartie, in Deutschland von Dietrich Fischer-Dieskau verkörpert, sang in Glyndebourne der Amerikaner Carlos Alexander. Stimmlich stand im Mittelpunkt der englischen Aufführung die Schwedin Kerstin Meyer (Carolina). Das Royal Philharmonie Orchestra spielte unter John Pritchard. Vom Publikum des ländlichen Privatopernhauses Mr. Christies wurde das neue Werk sehr freundlich, von der englischen Kritik zwiespältig aufgenommen.

RECKLINGHAUSEN (Städtischer Saalbau) Fazit der Ruhrfestspiele

51 Vorstellungen wurden von 55 000 Zuschauern gesehen. Außer der Eigeninszenierung von Schillers "Wallenstein"-Trilogie durch ein Ensemble der Ruhrfestspiele, deren Publikumserfolg zusätzliche Vorstellungen nötig machte, waren mit Ensemblegastspielen beteiligt: das Berliner Renaissancetheater ("Die Lästerschule" von Sheridan), das Berliner Schloßparktheater ("Raskolnikoff" von Leopold Ahlsen), das Hamburger Deutsche Schauspielhaus (Waldmanns "Von Bergamo bis morgen früh"), die Kölner Bühnen (Strawinskijs "Geschichte vom Soldaten" und Büchners "Woyzeck") sowie das Bayerische Staatsschauspiel. Dessen Inszenierung von Anouilhs "Becker oder die Ehre Gottes" wurde von rheinischen und westfälischen Kritikern, die Vergleiche mit Düsseldorf und Essen anstellen konnten, als der bedeutsamste Gastbeitrag zu den Ruhrfestspielen gewürdigt. J.