Auf dem Markt der Eitelkeiten wird "Promimenz" zur Zeit billig angeboten: für 100 DM. Allerdings ist das noch nicht alles. Denn um seinen Freunden und Bekannten zu zeigen, daß man in den Rang der Prominenz aufgestiegen ist, muß man ja wohl einen Beleg vorweisen können – in diesem Falle also den Band des Nachschlagewerkes "Die Prominenz im Bild", in dem das eigene Porträtphoto (16,5 × 21 cm) neben einer vollen Seite mit biographischen Notizen zu finden ist. Was kostet aber dieser Band mit 500 Prominenten? Darüber ist sich offenbar der (übrigens bis dato in Fachkreisen weitgehend unbekannte) Herausgeber, ein in Zürich domizilierender Verlag, selber noch nicht ganz im klaren. Auf ein und derselben Seite des Werbeprospekts, der jetzt versandt wird, heißt es einmal: "Preis 50 DM je Band", und zum anderen: "... Subskriptionsangebot (folgt), sobald Umfang und Preis endgültig feststehen." Sollte es denn im Bundesgebiet tatsächlich ein Vielfaches der Zahl von 500 Prominenten geben? Das wäre bitter! Denn dann müßte, wer dazugehört, aus Prestigegründen doch wohl alle Bände erwerben, und es wäre für ihn mit den 50 DM für den einen Band – zusätzlich zu den 100 DM "Druckkostenzuschuß" ("der etwa den Klischeekosten entspricht") – nicht getan.

Beruhigend ist auf alle Fälle die Zusicherung des Prospekts, daß "auf Wunsch" Zahlungserleichterungen gewährt werden können. "Es ist darüber hinaus vorgesehen", heißt es dann noch, "aus Mitteln, die über den Einheitsbetrag hinaus zur Verfügung gestellt werden, einen Fonds zu bilden, der es erlaubt, in angebrachten Fällen auf einen finanziellen Beitrag ganz zu verzichten. Ob dieser Hinweis zu Sonderzuwendungen anregt... bleibt abzuwarten."

Warten wir also ab, was bei diesem "Vorhaben", herauskommt! Daß es sich, wie der Prospekt kühn behauptet, "allenthalben" einer "wohlwollenden Zustimmung erfreut", ist einigermaßen frappierend. Und das gleiche gilt von der Idee des Verlages, welcher meint, ein solches Nachschlagewerk könne "durch seinen Titel breite Schichten der Bevölkerung ansprechen". Ja, wenn das Buch nicht "Die Prominenz im Bild" hieße, sondern ganz schlicht "Die Elite im Bild" – für Eliten sind wir, in der Bundesrepublik, nämlich immer zu haben. E. T.