Der Texter, dem nach vielen Formulierungen der Slogan "Musik zum Mitnehmen für ein besonders handliches Taschentransistorradio einfiel, eilte sofort zu seinem Werbeleiter. Dieser sprach sich die drei Wörter dreimal halblaut vor. Nickte mehrmals mit dem Kopf. Beifällig. Schaute den Texter voll an: "Da ist Musik drin!"

"Musik zum Mitnehmen" wurde der Slogan für eine Werbekampagne und erschien vieltausendmal in Anzeigen, auf Plakaten, auf Streublättern, in Schaufenstern hinter einem Arrangement von Taschenradios.

Mit einem dieser "einschlägigen" Schaufenster, dessen Kulissenwand den Slogan in besonders großen Lettern trug, ereignete sich nun etwas Besonderes. Eines Morgens hatte die Schaufensterscheibe ein unschönes Loch. Die Taschenradios fehlten. – "Musik zum Mitnehmen", jemand hatte den Slogan ganz wörtlich genommen.

Verführte nun etwa der Aufforderungscharakter der Formulierung einen labilen Menschen zu einer Kurzschlußhandlung? Sind dem Dieb aus diesem Grund mildernde Umstände zuzuerkennen? Muß es dem Texter eine Warnung sein? Liegt hier ein besonders eklatanter Fall von Verführung durch Werbung vor?

Liefert ein solcher Vorfall neues Wasser auf die geschäftigen Mühlen jener Leute, die in der Werbung das verderbliche Prinzip schlechthin erblicken? Oder handelt es sich ganz schlicht um einen Schaufensterdiebstahl, bei dem der Dieb nur die lockende Beute sah, den verführerischen Slogan jedoch weder bewußt noch unterschwellig registrierte?

Lauter Fragen, die weder der Dieb – hätte man ihn – noch die Betroffenen mit ja, ja oder nein, nein beantworten könnten. Sch.