Die Aktionärdiskussionen in den Hauptversammlungen der großen Aktiengesellschaften bewegten sich in letzter Zeit eigentlich durchweg auf einem recht erfreulichen Niveau. Eine unrühmliche Ausnahme bildete in diesem Jahre das Treffen der Anteilseigner der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen, das von den als Diskussionsredner auftretenden Aktionären und Aktionärsfunktionären nahezu ausnahmslos entweder mit langatmigen Ausführungen, die nicht zur Tagesordnung gehörten, oder mit Fragen strapaziert wurde, die so neben der Sache lagen, daß sie gar keine Neuigkeiten mehr ans Licht befördern konnten. Das einzige Ergebnis dieser Fragen, die die Verwaltung dennoch mit Geduld und Würde hinnahm, war eine Versammlungsdauer von mehr als drei Stunden, von denen nur eine, nämlich die erste, mit den Ausführungen von Vorstandsvorsitzer Hans Dütting erwähnenswert ist.

In den Abstimmungsergebnissen der Hauptversammlung, in der 70 vH des Kapitals vertreten war, schlug sich indessen das weitgehende Einverständnis der Aktionäre mit der Verwaltung nieder. Etwa 1000,– DM nominal beantworteten den Dividenden Vorschlag von 10 vH mit "Nein", während 4500,– DM die Entlastung des Vorstandes verweigerten – bei 128 000,– DM Enthaltungen.

In seinem Lagebericht stellte der GBAG-Chef Bergass. Hans Dütting den Aktionären auch für 1961 wiederum eine "gute Dividende" in Aussicht, ohne sich allerdings auf eine konkrete Zusicherung festzulegen. Ein ausführlicher Überblick darüber, wie sich die Verwaltung die weitere Entwicklung der Gesellschaft vorstellt, dürfte für die Aktionäre von besonderem Interesse gewesen sein. Dütting hob hervor, daß der Rückzug der Kohle im GBAG-Bereich zügig weitergeht. Weiter werden bei der GBAG auch die Bemühungen fortgesetzt, einen – möglichst lukrativen – Ausgleich für den Rückgang des Kohlengeschäftes zu schaffen. Dütting wies nochmals darauf hin, daß die Stromwirtschaft des Konzerns zunehmend an Bedeutung gewinnt. Nach der bevorstehenden Inbetriebnahme des neuen Kraftwerkes Prinz Regent verfügt die Gelsenberg-Gruppe über drei Großkraftwerke und eine Anzahl von kleineren Zechenkraftwerken mit einer installierten Gesamtleistung von 900 MW. Sie wird dann der dritt- oder viertgrößte Stromerzeuger der Bundesrepublik sein. Die Rentabilität der Kraftwerke bezeichnete Vorstandsvorsitzer Dütting als "recht günstig".

Den eigentlichen Ausgleich aber für die Einschränkungen im Bergbausektor schafft sich die GBAG durch eine beachtliche Erweiterung des Geschäftsvolumens auf dem Mineralölgebiet Nicht nur die Raffineriekapazität der Gelsenberg Benzin AG wird vergrößert werden, sondern auch der Aufbau einer petrochemischen Produktion ist in Angriff genommen worden. Die Einzelheiten dieses neuen Betriebszweiges der Gelsenkirchener Bergwerks-AG gab Dütting jetzt bekannt. Das Unternehmen wird sich vorwiegend einigen wichtigen Vorprodukten für die Kunststoffherstellung, vornehmlich für die Chemiefaserproduktion, zuwenden. Mit Recht wies Dütting darauf hin, daß die Gesellschaft mit der Vielfalt der Produkte krisenfester wird, wobei er gleichfalls hervorhob, daß die GBAG mit der Aufnahme der petrochemischen Erzeugung stärker in das Gebiet der Weiterverarbeitung vordringe, wo die "Ertragsmöglichkeiten erfahrungsgemäß größer sind als bei der Rohstoffproduktion". Nmn.