In dieser Woche sind es wieder täglich über 1000 Menschen, die aus der Zone flüchten, die ihr Hab und Gut im Stich lassen, ihrer Heimat den Rücken kehren. 1000 Menschen täglich! Seit Jahren schon waren, es jeden Tag 300 und 400. Man gewöhnt sich daran. Niemand kann sich jahraus, jahrein vor Augen halten, daß es einzelne Menschen sind, die da jeden Tag die Haustür hinter sich zumachen, ihre Möbel, Bilder, Kleider, Bücher einfach stehen und liegen lassen; oder schlimmer noch, die den Hof verlassen, auf dem sie aufgewachsen sind, und zum letzten Male den Weg zwischen den Feldern zum Bahnhof gehen.

Kürzlich mußte sich ein Ingenieur irgendwo in der Zone sehr plötzlich zur Flucht entschließen. Er fuhr bis Potsdam, ließ dort das Auto stehen, für das er jahrelang gespart hatte, und bestieg mit seiner Familie die S-Bahn nach Westberlin. Gepäck konnte er nicht mitnehmen, aus Angst aufzufallen.

So geht das Tag für Tag. Wir, die Behörden, die Welt scheinen sich damit abgefunden zu haben. Aber wieso eigentlich? Minister Lemmer hatte vor zwei Monaten vorgeschlagen, die UN anzurufen, damit sie untersuchen möge, wie unmenschlich die Verhältnisse in einem Staat sein müssen, den seine Bürger wie ein atomverseuchtes Gebiet fliehen. Warum geschieht das nicht?

Lemmer hat soeben erklärt, die Bundesregierung habe noch keine Entscheidung darüber gefällt, in welcher Form sie an das Gewissen der Weltöffentlichkeit appellieren werde. Wann endlich wird sie sich entschließen? Dff