DIE ZEIT

Faire Lösung

In der ZEIT vom 23. Juni kritisierten wir, daß die „Freies Fernsehen GmbH.“ ihren Geschäftsführern Professor Gladenbeck und Schmidt, nachdem bereits der Fernsehstreit vor.

Englands Kurs auf Europa

Innerhalb einer Woche haben die Engländer zwei folgenreiche Regierungserklärungen schlucken müssen: Schatzkanzler Selwyn Lloyd öffnete am 25.

De Gaulle in der Sackgasse

Sommerliche Massenflucht der Städter an die sandigen oder felsigen Ufer des Mittelmeeres und Atlantiks – Exodus der französischen Siedler aus Tunesien: Frankreich scheint in diesem August ein Land der „displaced persons“ zu werden.

Des deutschen Michels Schlaf

„Nun, ich erlebte kürzlich, daß in einer großen Stadt Bayerns drei Wochen lang um Ferienplätze für Berliner Kinder geworben wurde.

Zeitspiegel

„Wenn die gegenwärtige Welle der Auswanderung der Ostdeutschen nach Westdeutschland anhält, wird es in zehn Jahren kein Wiedervereinigungsproblem mehr geben.

Wer "klüngeln" will, braucht Muße

Acht Monate sind seit der Verkündung des Gesetzes vergangen, das die Gründung zweier Bundesrundfunk-Institute bestimmt – des "Deutschland-Funks" und der "Deutschen Welle".

Kuriose Konstellation im Kongo

Während sich die 216 Senatoren und Abgeordneten in strenger Klausur, abgeschirmt von tausend UN-"Blauhelmen" und einem elektrischen Stacheldrahtzaun, im Auditorium Maximum der Universität von Leopoldville über die Wahl des neuen kongolesischen Premiers streiten, treibt der Außenseiter und Katanga-Chef Moise Tschombe zusammen mit dem Generalstabschef Oberst Mobuto sein eigenes Spiel.

Chruschtschows ungedeckte Wechsel

Das neue sowjetische Parteiprogramm ist ein seltsames ideologisches Konglomerat. Von Marx haben seine Verfasser die Hoffnung auf eine klassenlose Gesellschaft übernommen, von Lenin – wenn auch in veränderter Form – die Ziele der Weltrevolution, von Stalin die Einseitigkeit der Weltbetrachtung wie die Verherrlichung des Staates und der Partei, von Chruschtschow schließlich die widerspruchsvolle Koexistenzdoktrin, die Überschätzung der eigenen Kräfte und den propagandistischen, fast reklamehaften Stil.

Außenpolitische Architektur

Bonns Städteplaner sind auf den Plan getreten: sie verlangen, daß das noch unbebaute Gelände zwischen der Bundeshauptstadt und Bad Godesberg für ein neues Regierungsviertel aufgehoben werde.

Appell der Taxifahrer

Seit dem Ende des Krieges sind in der Bundesrepublik 158 Taxichauffeure ermordet worden: dies sagte der Vorsitzende des „Verbandes für den Personenverkehr“ in Hamburg, Maletzky, am Grabe des Fahrers Heinz Achtenhagen, der einem Raubmord zum Opfer gefallen war.

Momentaufnahmen im Wahljahr: Erich Mende: Der Motor der FDP

Erich Mende bittet ausdrücklich, ich möge ihn nicht zu Hause, sondern in seinem Büro aufsuchen. Der Grund läßt sich erraten, auch ohne daß man danach fragt: Der Spitzenreiter der Freien Demokraten ist in der letzten Zeit etwas zu oft auf seiner Gartenterrasse, im Kreise der Lieben, interviewt und geschildert worden.

Über den Eisernen Vorhang hinweg

1. Die Laienbewegung müßte ständig dasein und dürfte nicht nur jeweils auf den Kirchentagen zutage treten. Eine Laienbewegung müßte also hauptsächlich aus aktiven Kreisen im ganzen Lande bestehen, in denen Christen zu den Fragen des Glaubens, des kirchlichen Lebens und des Handelns in Staat und Gesellschaft Stellung nehmen und sich entsprechend engagieren.

„Mein Kampf“, letzter Teil

Hitlers „Zweites Buch“ ist ein 180 Druckseiten starkes Elaborat über „deutsche Außenpolitik“, in dem der Verfasser nachholen wollte, was er in „Mein Kampf“ noch nicht deutlich genug gesagt zu haben meinte.

Indien bangt um seinen Präsidenten

In allen Tempeln und Moscheen Indiens wird zur Zeit für die Gesundheit eines Mannes gebetet, der von allen lebenden Indern neben Nehru wohl eine der stärksten Persönlichkeiten des indischen Freiheitskampfes war und der auch das Gesicht des unabhängigen Indiens entscheidend mitgeformt hat.

Der Mann, den Bismarck haßte

In den zwanziger Jahren sahen die Deutschen die Gestalt des Geheimrats von Holstein in düstere Schatten getaucht. Noch aus dem Grabe erwies sich der Haß Bismarcks gegen den „Judas“ als übermächtig.

Bremen: Der Ausverkauf hat begonnen

Was soll mit den über 15 000 Arbeitern des nun endgültig zusammengebrochenen Borgward-Konzerns geschehen? Diese Frage beherrscht das Tagesgespräch in Bremen.

Sachsen: Bis auf einen ...

Sie waren alle Freunde, damals – 1956 – in Plauen in Sachsen. Sie besuchten gemeinsam die Schule, spielten gemeinsam und freuten sich gemeinsam.

Bayern: Experimente am Krankenbett

Aufmerksame Prozeßbeobachter, die mit den juristischen Grundbegriffen vertraut sind, hatten das Urteil gegen den Krebsdoktor Josef Issels nicht wesentlich anders erwartet, als es ausfiel: ein Jahr Gefängnis, Anrechnung der Untersuchungshaft von drei Monaten, Aufhebung des seinerzeitigen Haftbefehls, kein Berufsverbot.

Walter Dirks:: Die Gewerkschaft braucht eine Utopie

Eigentlich müßte es sich von selbst verstehen, daß sich die Öffentlichkeit, daß wir alle uns gründlich für den Lebensbereich interessieren, in dem wir auch heute noch die Hälfte unseres wachen und tätigen Lebens zubringen: den Betrieb.

Wie wurde es möglich?

Aufgabe des Eichmann-Prozesses war es, herauszufinden, welche Verbrechen Eichmann begangen hatte oder für welche er verantwortlich war.

Nach dem Cricket Theater

Als ich vor Jahren einmal mit dem bekannten englischen Literaturkritiker John Lehmann sachlich und gemessen über neue Bücher sprach und das Werk eines Franzosen über England erwähnte, schlug Lehmann, dieser Inbegriff eines Gentleman, Erziehung und Gesprächspartner vergessend, mit der Faust auf den Tisch und rief aus: „Schon wieder so ein Ausländer, der die englische Seele deuten will!“ Längst habe ich diese faszinierende Bemühung aufgegeben, hoffnungslos wie die Ergründung eines Kreuzworträtsels der Times.

Kleiner Kunstkalender

Die 122 Werke französischer Malerei kommen aus französischem Privatbesitz, die meisten werden jetzt zum erstenmal ausgestellt.

Zeitmosaik

Paul Westheim feiert am 7. August in Mexiko, wo er seit zwanzig Jahren lebt, den 75. Geburtstag. Als Herausgeber des 1917 von ihm gegründeten „Kunstblattes“ und durch viele Publikationen hat er sich mit fundiertem Enthusiasmus für die damals junge Kunst, vor allem für die deutschen Expressionisten eingesetzt.

WW-Ehen

Weil unsere Filmindustrie daran nicht so recht teilnimmt (und darum mit bösen Blicken zur Kühlschrankindustrie hinüberschielt), ist sie auf das Wirtschaftswunder nicht gut zu sprechen und läßt es ihren Zorn spüren.

Mein Bild

„Und sonntags die schönen Wahnsinnsbildet!“ Dieser Satz Gottfried Benns, eines der lyrischen Fragmente, die in seine Prosa eingelassen sind, hat meine Liebe zu dem Zöllner Rousseau gewiß nicht begründet, ihr aber vom Literarischen her ein neues Aroma hinzugefügt.

Unser Seller-Teller Juli 1961

Noch stehen die Signale im Buchhandel auf „Ruhe vor dem Sturm“. Bei Regen im Strandkorb werden die Bücher vom letzten Weihnachten gelesen: darauf läuft es ja immer stärker hinaus, daß man sich Weihnachten fürs ganze Jahr eindeckt – oder eingedeckt wird.

Viel Fassade und nichts dahinter

"Planen und Bauen im neuen Deutschland", herausgegeben vom Bund Deutscher Architekten, dem Deutschen Architekten- und Ingenieurverband und dem Bund Deutscher Garten- und Landschaftsarchitekten; Westdeutscher Verlag, Köln-Opladen; 654 S.

Mein Buch des Monats: Tempel des reinen Denkens

Das "Buch des Monats" drohte ein "Buch des Jahres" zu werden. Nach längerer Pause nimmt der Tübinger Altphilologe, Kritiker, Romancier hier seine monatliche Serie von neuem auf mit der Befeuerung, künftig werde, wie einst, der Serien-Titel wieder ganz zu Recht bestehen.

Tragisch nehmen, aber auf die leichte Achsel!

Da ist nun dieser Flora, Paul, den ZEIT-Lesern wohl vertraut: infans terribilis. Er hat eine Menge Sachen in einem sauberen Bande zusammengefaßt, alles Neuheiten, nur weniges, was uns hier schon als Vorprobe ins Auge gestochen hat, ist mit dabei.

Die Emigration nach innen

Vor kurzem fiel im Eichmann-Prozeß ein Name, der stellvertretend für viele genommen werden kann, deren Trägern ein gleiches Schicksal beschieden war: das Schicksal des freiwilligen Opfertodes als einer allerletzten Konsequenz der „inneren Emigration“ – der Name Jochen Klepper.

Zu empfehlen

Deutsche Literatur im 20. Jahrhundert, herausgegeben von Hermann Friedmann und Otto Mann, vierte, stark vermehrte Auflage, zwei Bände; Wolfgang Rothe Verlag, Heidelberg; 332 und 382 Seiten, zusammen 40,– DM.

Vom Jeu de paume zum Tennis

Lawn-Tennis wird in England auf einem kurzgeschorenen Rasenteppich gespielt, der so grün aussieht wie ein Billardtuch. Solchen Rasen gibt es sonst nirgendwo auf der Welt.

Thema verfehlt: Weder Tanz - noch Sport

In Stuttgart fand die dritte Gymnaestrada, zu der auch der Bundespräsident erschienen war, statt. Was ist Gymnaestrada? Wörtlich übersetzt heißt diese, griechisch-italienische Wortkonstruktion „Nacktstraße“.

Fall Germar ist einmalig

Manfred-Germar-Festspiele“ wurden spöttisch die diesjährigen Titelkämpfe der Leichtathleten in Düsseldorf genannt. Mit drei Siegen in den beiden Sprintstrecken und als Schlußmann seiner 4×100-Meter-Staffel erhöhte der Kölner Diplomkaufmann die Zahl seiner deutschen Meistertitel auf 17.

Wenn der Fußball Ferien hat...

Im Juli hat der Fußball Sommerferien. Andere Sportarten, vor allem die Leichtathletik, nehmen dann für einige Zeit seinen Platz in der Gunst der Massen ein.

Der veruntreute Himmel

Mit 2700 Einwohnern pro Quadratkilometer ist das Ruhrgebiet einer der dichtestbesiedelten Landstriche der Welt. Aber es ist nicht die Enge, die die Menschen dort bedrückt – ihre große Sorge ist die Luft.

Richtung Zukunft

Sechzehn Jahre sind es diese Woche her, seit die erste Atombombe in Hiroshima explodierte. Wie anders hat man sich damals im August 1945 die Zukunft vorgestellt, die nun inzwischen unsere Gegenwart geworden ist.

Herzschlag im Plastik-Koffer

Schreiende Säuglinge beruhigen sich im Arm der Mutter, weil sie den Herzschlag der Mutter hören – so meint der amerische Psychologe Lee Salk.

Fernsehen

Das Fernsehen strengt sich an, seine Kritiker zu bestätigen. Vierzehn Tage ist es her, daß hier an der Auslandsvertretung der Fernsehanstalten gerüttelt wurde: ein Platz mit drei Korrespondenten besetzt, der andere vollkommen vernachlässigt.

Theater

Obwohl im Mittelpunkt der Bregenzer Festspiele der Bodensee und auf ihm eine Operetteninszenierung stehen, wird nach Möglichkeit im Theater am Kornmarkt jeweils ein Schauspiel uraufgeführt.

Film

„Wilde Erdbeeren“ (Schweden; Constantin-Filmverleih): Von den Filmen Ingmar Bergmans, die bei uns bekanntgeworden sind, ist dies der zugleich kühnste und versöhnlichste.

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