Seit ein paar Tagen taucht in den Wahlkampf-Reden der CDU-Führer ein Wort auf, das sie bisher sorgfältig vermieden hatten: Von Opfern ist die Rede. Der Fraktionsvorsitzende der Christlichen Demokraten, Heinrich Krone, forderte auf einer kommunalpolitischen Tagung der Katholischen Arbeiterbewegung in Essen Opfer für die Verteidigung der Freiheit. Die gleiche Förderung erhob Finanzminister Etzel auf dem Wirtschaftstag der CDU in Frankfurt. Der Finanzminister erklärte klipp und klar, er sehe keinerlei Möglichkeiten, in Zukunft die Steuern zu senken.

Opfer? Keine Steuersenkungen? Im Frühjahr noch hatte Etzel von beträchtlichen Steuersenkungen im kommenden Jahr gesprochen. Vom stetigen Wirtschaftsaufstieg der Bundesrepublik, sprachen die CDU-Redner, von der wachsenden Finanzkraft. Die Formel für den Wahlkampf schien zu lauten: Unterstützt die CDU, und es wird euch wirtschaftlich immer besser gehen. Aber auch die SPD, für die Brandt in Hannover – noch in Anlehnung an Kennedy – Opfer verlangt hatte, schien vom Wohlstand fasziniert. Mit Recht kritisierten viele Amerikaner, in der Bundesrepublik spüre man von der Krise um Berlin am wenigsten.

Nun hat die CDU spät, immerhin noch im Wahlkampf, eine Schwenkung vollzogen. Die SPD, die Jahre gebraucht hat, um ihr Programm der Konkurrenzpartei anzugleichen, sollte diesmal nicht so lange zögern. –el