DIE ZEIT

Der geschändete Glockenklang

Eine falsche Platte...? Die Westberliner, die am Sonntag am jetzt vermauerten Grenzübergang Markgrafenstraße im Bezirk Kreuzberg standen, trauten ihren Ohren nicht: Klang da nicht aus dem Lautsprecherwagen der Volkspolizei das Geläut der Freiheitsglocke? Und setzte nicht der Sprecher ein: „Ich glaube an die Unantastbarkeit.

Am Wahlschachbrett

Seit dem 13. August steht das cremefarbene Mercedes-Cabriolett des SPD-Kanzlerkandidaten unbenutzt in der Garage. Auf seiner Deutschlandreise war Willy Brandt damit kreuz und quer durch die Bundesrepublik gesaust, hatte gelächelt, gewinkt und geworben.

Tschombe gibt nach

Cyrille Adoula, der Chef der kongolesischen Zentralregierung, scheint sich gegenüber Moise Tschombe, dem Katanga-Präsidenten, durchzusetzen.

Blockfrei in Belgrad

Wer Anhaltspunkte dafür sucht, wie schnell heutzutage politische Entwicklungen gehen, der muß sich nur einmal die Geschichte der noncommitted nations vergegenwärtigen, also der neutralen oder – wie sie sich selber lieber bezeichnen – der bündnisfreien Staaten.

Noch zögert der Westen

Zweimal seit Beginn dieses Jahres hat Nikita Chruschtschow dem Westen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das erste Mal tat er dies, indem er Kennedy auf den Wiener Gipfel lotste und die Berlin-Krise aufs neue entfachte, ehe der neue US-Präsident seine „Volontärzeit“ im Weißen Haus beendet hatte.

Lyssenkos Rückkehr nach fünf Jahren

Im Moskau des Jahres 1938 habe ich seinen Namen zum ersten Male gehört. Damals, in der neunten Klasse der Sowjetschule, wurde er uns als ein prominenter Vertreter der jungen Generation angepriesen, die in der Lage sei, verknöcherte Lehrsätze kühn über Bord zu werfen und neue Leitsätze zum Wohl der sozialistischen Gesellschaft aufzustellen: Trofim Denisowitsch Lyssenko, 40 Jahre alt, war gerade zum Präsidenten der Akademie der Landwirtschaftlichen Wissenschaften ernannt worden.

Stimme der Vernunft

Erst nach langem Zögern hat die Krakauer katholische Wochenzeitung Tygodnik Powszechny zu der Berlin-Krise und der Betonmauer Ulbrichts Stellung genommen.

Zeitspiegel

„Es sollte auch bedacht werden, daß das Geschwätz vom Verhandeln heute dicht an der Grenze der Kapitulation entlangläuft. ..

Minister kommen, Minister gehen

Eine Kabinettsumbildung, wie sie jetzt in Paris geschehen ist, hätte, wenn sie in Bonn passierte, wohl zu zahllosen tiefschürfenden bis apokalyptischen Kommentaren Anlaß gegeben; in Paris konnte sie das Interesse der Beobachter nur flüchtig fesseln.

Hexenjagd auch am Sonntag

Eine politische Säuberung neuen Stils läßt Partei- und Staatschef Walter Ulbricht seit einigen Tagen in Mitteldeutschland vollziehen.

Brasilien ohne "eisernen Besen"

Steht in Brasilien ein Bürgerkrieg vor der Tür? Nur wenige Tage nach dem überraschenden Rücktritt des 43jährigen Präsidenten Senhor Janio Quadros ist es zwischen den Kongreß-Abgeordneteil und einigen Armee-Befehlshabern, die von Kriegsminister Odylio Denys angeführt werden, zu einer Kraftprobe gekommen.

Welche Rechte für wen?

Am 23. August 1961 bestritt Indiens Ministerpräsident Nehru vor dem Parlament in New Delhi das Recht der Westmächte auf freien Zugang nach Berlin.

Mit hellen Posaunen

Der Student Gisbert Tönnis, 21 Jahre alt, Meisterschüler des Malers Fritz Winter in Kassel, hatte seinen Musterungsbefehl bekommen.

Nordrhein-Westfalen: Ein Stuhl in Köln blieb leer

Der große Festsaal des Kölner Gürzenich, war überfüllt. Auf dem Podium saßen vor Orgelpfeifen und Sonnenblumen drei Redakteure des Kölner Stadt-Anzeigers, der Verleger Alfred Neven DuMont, Professor Carlo Schmid und Dr.

Fünfzig Kilometer Holz am Tag

Der Forst-Ingenieur Mostonen, mittelgroß, braungebrannt, klug, energisch, verbindlich – und natürlich jung – ist der Chef dieser Holzsortieranlage, einer der größten der Welt.

Auf dem Dach Europas

II. Großer Zukunftsplan: Elektrizität für den Kontinent – Touristik mit Abenteuern

Mein Bild

Noch niemals ist mir etwas so schwer gefallen wie diese Entscheidung. Es gibt so viele geliebte Zeichnungen und Bilder. Ausschlaggebend für meine endgültige Wahl war der Hinweis, es solle ein Werk nominiert werden, „mit dem man lebt“.

Zeitfragen: Was sind das für Zeiten?

In Frankreich wird den Schriftstellern zuweilen noch die Aufgabe zugesprochen, das Gewissen der Nation zu sein. In Deutschland erfreute sich eine solche Auffassung von Literatur und Kunst nie allgemeiner Beliebtheit.

Beflügelte Energie

Die Autobahn zwischen Berlin und der Bundesrepublik, die jetzt von den Sowjetzonenbehörden mit einem beträchtlichen Straßenzoll belegt worden ist, hat sich in den Nachkriegsjahren als die eigentlich politische Straße des Westens nach dem Osten erwiesen: ein Weg, der den Eisernen Vorhang durchschneidet.

Es bleibt nur Schweigen

bisweilen wacht man auf, öffnet die Zeitung – und ein Herzenswunsch ist erfüllt. Ich sehnte mich seit langem nach einem Brief, wie Sie ihn jetzt an Anna Seghers geschrieben haben.

... wie es keiner kennt

Nicht jeder von uns kann, wenn er auf Reisen geht, gleich einen ganzen Kontinent entdecken, wie es einstmals dem Kolumbus glückte.

Kleiner Kunstkalender

Am 28. August erhielt der 78jährige Architekt in der Paulskirche den Goethe-Preis. Das Bauhaus-Archiv Darmstadt veranstaltet in der Wandelhalle der Paulskirche bis zum 16.

Neues in der neuen Theatersaison

Mit dem näherrückenden Beginn der kommenden Spielzeit werden weitere Uraufführungspläne bekannt. Zweimal Tancred Dorst in Lübeck, nämlich „Große Schmährede an der Stadtmauer“ und die Neufassung von „Freiheit für Clemens“, zweimal Hans Baumann im Hamburger Jungen Theater: „Im Zeichen der Fischer“ und „Der Drache von nebenan“.

Zeitmosaik

Vom Bücherstand der französischen Ausstellung im Moskauer Sokolniki-Park mußten entfernt. werden: Werke der einstigen Kommunisten Malraux („La Condition humaine“ und „Les Confessions“) und Sartre („Critique de la raison dialectique“); Camus’ „L’homme révolté“; des Katholiken Bernanos „Chemin de la croix des âmes“ und „Français, si vous saviez“; Thierrys Maulniers „La Revolution de Paris“; Raymond Cartiers „Les cinquante Arnériques“ und „Les treize Europes“; Tibor Mendes „La Chine et son ombre“; außerdem Literaturgeschichten und Bücher über Armenien.

Zwischen Ost und West

Festspiele sind in der heutigen Welt eine wahre Epidemie, Wo begann es eigentlich? War es Bayreuth oder ein anderer, kleinerer und heute vergessener Ort? Niemand weiß es wohl mehr ganz genau, aber der unbekannte Entdecker kann weh eines Welterfolgs rühmen.

Heinrich Böll:: Mit Frack und Orden

„Sind die Herren vielleicht aus dem ,Bristol’?“ wandte sich der Kellner im Café Bazar in Salzburg an vier schwarzgekleidete Persönlichkeiten, Burgtheaterdirektor Häussermann, Filmregisseur Rolf Thiele um zwei Freunde, die von einer Probe gekommen waren In der Tat, sie alle wohnten im „Bristol“ und bejahten deshalb die Frage.

Unser Seller-Teller August 1961

Was fällt auf an dieser Liste von Sommer-Bestsellern? Heinrich Böll hat sich als Klassiker der deutschen Nachkriegsliteratur etabliert, soweit das Urteil des gebildeten Lesepublikums zählt – es zählt wohl mehr, als manche Literaturkritiker sich träumen lassen.

Werner Weber als Gastkritiker:: Zur Prosa von Peter Weiss

Der Bericht ist in einer Auflage von tausend Exemplaren gedruckt worden – „Tausenddruck“. Das entspricht, wenn man so will, den Umständen: Peter Weiss erzählt nicht so, schreibt nicht so, wie es hunderttausend Leute hören und sehen wollen – oder können.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT 72 farbige und schwarz-weiße Reproduktionen von Bildern deutscher und österreichischer Maler in der ersten Hälfte des 19.

Sonntag, 20. August, das Hörspiel:: „Amphitryon“

Wenn man einmal ein Musterbeispiel für die völlige Unmöglichkeit der Umwandlung, eines Schauspiels in ein Hörspiel vorführen will, so darf die Sendung des Kleistschen „Amphitryon“, für den Funk eingerichtet von Eckart Peterich, als Volltreffer bezeichnet werden.

Theater

Die Münchner Festspiele blicken auf eine sechzigjährige Existenz zurück – wenn man die Unterbrechung im Ersten Weltkrieg ignoriert.

Film

„Mann im Schatten“ (Österreich; UFA Film Hansa): Das alte, aber schon bröckelig gewordene Krimifilm-Schema F: Erst soll es der eine gewesen sein, der die schöne Frau und Strickmoden-Atelier-Besitzerin (Ellen Schwiers) erdolchte und obendrein noch zerstückeln wollte.

Fernsehen: Tanzen für Moskau?

Über Deutschlands Fernsehsender ist in den letzten vierzehn Tragen eine Lawine von Briefen niedergegangen. Aufgebrachte Apparatbesitzer forderten die Absetzung aller russischen Kunst- und Unterhaltungsbeiträge als Antwort auf die Abschnürungsmaßnahmen vom 13.

Zwischen Notstand und Wohlstand

Arbeitslose sind auch im Zonenrandgebiet eine Seltenheit geworden. Doch damit sind die Schwierigkeiten an den Grenzen Schleswig-Holsteins, Niedersachsens, Hessens und Bayerns nicht überwunden.

Der Leser schreibt...

Wenn es die Embargoliste in den USA nicht gäbe, würden es die Amerikaner sogar fertigbringen, Raketen in die UdSSR zu liefern.

Die Börse – Barometer der Berlin-Krise

Die Börse – Marktplatz für Wertpapiere oder Waren – ist seit jeher ein Treffpunkt der Informationen, Hoffnungen, Erwartungen, Ver: mutungen und ist Ausdruck, gemeinsamer Nenner für das kurzfristige geschäftliche Risiko.

Filmwirtschaft in der Klemme:: Und wieder soll der Staat helfen

Der Film, jahrzehntelang in der glücklichen Rolle eines Produzenten, dem ein schier unersättlicher Markt praktisch alles abnahm, was an mehr oder minder guter Unterhaltung auf Zelluloidstreifen festgehalten wurde, steckt in einer bedrohlichen Krise.

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