DIE ZEIT

Kanzlerdämmerung in Bonn

Konrad Adenauer hat ein erstaunliches Kunststück zuwegegebracht: Es ist ihm gelungen, seiner Partei viele Wähler abspenstig zu machen.

Kommt die Anerkennung der Zone?

Da sieht man ihn vor sich liegen, den Patienten. Auf der schwarzen Tafel über dem Krankenbett sind zwei Namen zu lesen. Der eine, fa;t verwischt und undeutlich: Deutschland.

Strategie des Terrors

Es ist kaum ein Jahr her, als Nikita Chruschtschow sagte: "Die Regierung, die als erste Atomwaffenversuche wiederaufnimmt, wird eine schwere Verantwortung auf sich laden.

Zeitspiegel

„Die Teilung Deutschlands ist ein Teil des Preises, den das deutsche Volk für Hitlers Wahnsinn zu zahlen hat. Der Preis ist furchtbar hoch.

„Die ganze Freiheit auf einen Schlag“

Die Umbildung der provisorischen algerischen Regierung (G.P.R.A.) hat einen Mann an die Spitze getragen, dessen Name in der breiten europäischen Öffentlichkeit bisher keine genauen Vorstellungen erwecken konnte: Jussef Ben Khedda.

Tanz und Hunger auf dem Vulkan

Eine Reise durch Südamerika (II) – Wie Quadros die Geduld verlor – Droht in Brasilien der „Fidelismus“?

Wettlauf um die Unentschiedenen

Die SPD hatte in der letzten Woche starken Aufwind. Ihre Wahlmanager rasten hemdsärmelig durch die Arena. Bei der CDU dagegen herrschte mehr Gelassenheit, als glaubwürdig erscheinen konnte.

„Leben und Sterben für die Partei”

Bitte, schreiben Sie nicht, wo wir uns getroffen haben!“ Der 38jährige chinesische Professor Huang Tschi-tschou, der so freundlich gelächelt hatte, sah plötzlich erschreckt und ängstlich aus.

De Gaulle vor 700 Journalisten

Wenn de Gaulle – wie dies am Dienstag vor 700 Journalisten geschah – eine Pressekonferenz abhält, kann man schlagkräftige Antworten und brillante Formulierungen erwarten, doch muß man wissen, daß nur die Form seiner Sätze improvisiert ist, ihre Bedeutung ist genau überlegt.

Diskutieren ist erlaubt

Der französische Senat begann mit einer Debatte über Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft. Am 12. September wird die Nationalversammlung folgen.

Ulbrichts Angriff auf die Kirche

Ulbricht hat seine Sperrmauer in Berlin nicht nur gebaut, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen; sie dient ihm auch als Instrument für die Spaltung Deutschlands.

Trostpflaster Titow

Nicht immer, so scheint es, findet Walter Ulbricht für seine Wünsche bei Nikita Chruschtschow ein geneigtes Ohr. Nach dem triumphalen Einzug des US-Vizepräsidenten Lyndon Johnson in Westberlin bat er den Kremlchef, ebenfalls zu kommen und den eingemauerten Ostberlinern Mut zu machen.

Nur ein Versprecher?

Seit der Berlin-Krise sind in Bonn manche hochtönenden Erklärungen über Gegenmaßnahmen abgegeben worden. Hin und wieder schleicht sich auch ein Mißklang ein.

Historiker, Diplomat, Europäer

Jakob Burckhardt, von dem es heißt, er sei der letzte umfassend gebildete Gelehrte deutscher Sprache gewesen, lebte noch, als sein Großneffe Carl Burckhardt in der alten Patrizierstadt Basel nahe dem Münster, hoch über dem Rhein geboren wurde.

Baden-Württemberg: Gralshüter der Verfassung

Vor zehn Jahren, am 7. September 1951, leisteten 24 Verfassungsrichter in Karlsruhe dem Bundespräsidenten ihren Amtseid. In diesen zehn Jahren sind die Richter in den roten Roben nicht untätig gewesen.

Berlin: „Guten Flug, mein Herr!“

Der Mann neben mir sprach über das Steuerrad hinweg gegen die Windschutzscheibe. Nicht einmal wandte er den Kopf zur Seite, wenn er sich mit mir unterhielt.

Wer in die Zukunft sieht...

Es waren Semesterferien und dann kam der 13. August. „Man muß etwas für Berlin tun“, überlegte der Hamburger Jurastudent Werner Jantzen.

Von der Maas bis an die Memel?

Darüber wollte sich die Französin Yvonne gar nicht mehr beruhigen. Ihr beinahe gewonnenes Vertrauen in die Demoskopie war ernstlich bedroht.

Zeitfragen: Was ist zu tun?

Eckart Kroneberg gilt, nach seinem Roman „Der Grenzgänger“, neben Uwe Johnson als prominentester Vertreter der jüngsten Generation in der jungen deutschen Literatur.

Zeitmosaik

Es gibt Fälle, in denen ein Gespräch nicht geführt werden kann und soll. Wenn wir recht behalten wollen, statt daß die Wahrheit im Rechte bleibt; wenn die Erbitterung das Wort an sich reißen will: so ist der Augenblick gekommen, da wir das Schweigen oerehren sollen.

Mein Bild

Icarus heißt das Bild. Man muß den unglücklichen Astronauten lange suchen. Zwischen dem Schiff und dem Angler strampeln ein paar nackte Beine aus dem Meer.

Erstes Berlin-Festival

Mit der Weihe des neuerbauten Schiller-Theaters begannen die Berliner Festwochen. Wochen, die Berlin nicht in die Konkurrenz mit Salzburg, Bayreuth oder Edinburg stellen, sondern mit denen die in den letzten Jahren so sehr gefährdete Stadt einmal sich selbst und ihre theatralisch-musische Kraft, aber ebensosehr auch ihre gebliebene Verflechtung in die große internationale Welt beweisen will.

Heinrich Böll:: Vom deutschen Snob

Ein deutscher Snob ist von vornherein in einer mißlichen Lage: Es fehlt ihm an gesellschaftlichen Leitbildern. „Selten so jelacht“ und „nie jehört“ haben keinen gesellschaftlichen Rückhalt mehr, so wenig wie der wildblickende Anarchist oder der Bohémien.

Geschichten von der Insel Man

Nachts: da ist der Betonmischer vor unserem Neubau endlich still; die Anstreicher im Hausflur haben aufgehört zu pfeifen (und zu niesen; die Buben müssen Bronchien aus Gußeisen haben!).

Kleiner Kunstkalender

Eine Campigli-Ausstellung braucht nicht umfangreicher zu sein als die bei Gerd Rosen. 17 Ölbilder und ein Dutzend Lithographien, alles aus den letzten drei Jahren, das genügt für einen Künstler, bei dem es weder eine Entwicklung noch stilistische Experimente oder einen Wechsel der Themen vorzuweisen gibt.

Eiskalt in Alexandrien

Man ahnt ja kaum, wen man da manchmal auf einer Reise zum Nachbarn hat. Ich aber weiß zum Glück, wer der unscheinbare, undurchsichtige, fast verdächtig aussehende kleine schnurrbärtige Mann auf der griechischen Inselfahrt war.

Frauen, Frauen, Frauen

Dort wo du bist, ist die Luft vergiftet. Die Worte eines Menschen, der sich nicht mehr zu retten weiß, Tolstoi sprach sie zu seiner Frau.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT fünfzehn Kapitel, von „Das koloniale Amerika“ bis „Die amerikanische Literatur heute“ mit besonders eingehenden Studien der Autoren Edgar Allan Poe, Nathaniel Hawthorne, Herman Melville, Walt Whitman, Mark Twain, William Dean Howells und Henry James.

Mein Buch des Monats: Zwei Meisterwerke in schwacher Umgebung

Sehr große und sehr strenge Erscheinungen wie der Romancier Thomas Mann oder der Lyriker Stefan George hatten uns vergessen lassen, daß der Tanz auf vielerlei Hochzeiten, das Goethesche Sich-Umtun: die Benutzung epischer, lyrischer und dramatischer Mittel durch einen und denselben poetisch mächtigen Geist dem Schriftsteller durchaus angemessen ist.

Kindheit in Burgund

Der gewagte Roman „Claudine à l’école“, mit dem die Colette um die Jahrhundertwende unter der herrischen Anleitung ihres ersten Mannes „Willy“ ihre literarische Laufbahn begann, eröffnete eine Reihe von Claudine-Büchern, die das Publikum angenehm schockierten und ihren Ruf als Kennerin der rerum amorum begründeten.

Für den Urlaub

Wie Anna, eine kapriziöse sächsische Prinzessin, an Luxus und Heiterkeit gewöhnt, Armut und Heimatlosigkeit, Schuld und Verfemung erfährt und frühzeitig gealtert verwirrten Geistes stirbt, ist eine Geschichte mit ausreichender Dramatik.

Der Fall Wolfgang Koeppen

Das literarische Talent ist nicht eine wunderliche Pflanze, die plötzlich aus geheimnisvollen-Gründen erblüht, später aus ebenso unerklärlichen Gründen verdorrt und sich nach einiger Zeit höchst unerwartet abermals entfaltet.

Fernsehen: Noch einmal Thema Stacheldraht

Noch einmal Berlin im Mittelpunkt eines Wochenprogramms. Noch einmal eine ausgezeichnet photographierte und kommentierte Dokumentation („Die Mauer“ von Matthias Walden), noch einmal Berlin im Mittelpunkt des „Frühschoppens“, noch einmal Berlin in den „Karikaturen des Monats“ (Hans Herbert Westermann), noch einmal Berlin auch im „Panorama“, wo man ein wenig umständlich versuchte, die Reaktion der Afro-Asiaten auf die Ereignisse der letzten drei Wochen optisch darzustellen.

Theater

Als Gäste der Funkausstellung traten im Theater des Westens, nachdem die Oper ausgezogen war, 25 amerikanische Tänzer und Tänzerinnen auf, aus denen Jerome Robbins seine 1960 aufgelösten „Ballett USA“ neugebildet hat.

Karajan in Edinburg

Die Berliner Philharmoniker sind noch immer eines der besten Orchester, die es gibt. Be den Festspielen in Edinburg wollte der Beifall ds Publikums gar kein Ende nehmen.

Film

„Das Leben von Adolf Hitler“ (Deutschland; Europa-Filmverleih): Das Schlagwort von der unbewältigten Vergangenheit ist heute nahezu in Vergessenheit geraten.

Ohne „roten Schleier“ gesehen

Nicht nur in politischen und militärischen Dingen gelingt es dem Osten – geleitet von seiner „Intelligenzia“ und der Propaganda – den Westen immer wieder in Aufregung und Unsicherheit zu versetzen.

Zeitraffer

Die durchschnittlichen Wochenverdienste der Industriearbeiter in der Bundesrepublik waren im 2. Quartal 1961 um 9,5 vH höher als im Vorjahr.

Der Leser schreibt...

Kürzlich brachten Sie einen mich und andere Betroffene ungewöhnlich interessierenden Artikel, betitelt „Bonn entdeckt sein Gewissen für Privatrentner“.

Die große Sehnsucht nach der Stadt

Fünfzehn Jahre nach Kriegsende sind die von Ausgebombten und Flüchtlingen überbelegten Dörfer wieder. entleert. Die ländliche Bevölkerung ist wieder unter sich.

Auf der Sonnenseite Berlins:: Töne und Träume am Funkturm

Das rundliche Gesicht des Direktors Max Rieger, der neben seiner Eigenschaft als Generalbevollmächtigter der Standard Elektrik Lorenz Gruppe in Deutschland auch Marktbeobachter des Fachverbandes der Rundfunk- und Fernsehindustrie ist, strahlte eitel Optimismus aus.

Chronische Subventionitis

Wie es in jedem offiziösen guide betont optimistisch heißt, sei ein schneller Abbau der Hemmnisse auf dem Wege zum Gemeinsamen Markt sichergestellt.

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