DARMSTADT (Landestheater):

„Liebes Leid und Lust“ von Shakespeare

Der neue Darmstädter Intendant Gerhard F. Hering mußte seinen Spielplan auf dem Nullpunkt beginnen. Das Sellner-Ensemble hatte sich zerstreut, so daß Werkübernahmen unmöglich wurden. Damit Hering im ersten Monat wenigstens zwei Schauspiele zeigen kann, fand die erste Premiere schon am Ende der vorigen Spielzeit statt: die „Pariser Komödie“ von Saroyan, inszeniert von Bert Ledwoch als Gast. Offiziell und mit größtem literarischen Anspruch wurde die neue Darmstädter „Ära“ eröffnet durch ein selten gespieltes Lustspiel von Shakespeare: „Love’s Labour’s Lost“ („Verlorene Liebesmüh’“). Um die Ausgrabung noch pikanter zu machen, wurde der Aufführung nicht die Übersetzung von Ludwig Tieck, sondern die freie Übertragung von Jakob Michael Reinhold Lenz zugrunde gelegt, der die Shakespearesche Sprachform in einheitliche Prosa auflöste. Wie in seinem „Hofmeister“ hebt der Stürmer und Dränger Lenz die naturhafte Liebe stark hervor. Die Inszenierung von Hans Bauer (Bühnenbilder: Max Bignens) stilisierte den Text wieder. Dabei entstand nach dem Urteil der FAZ „sinnenhaftes Theater“. In der Süddeutschen Zeitung wird es „noch etwas angestrengt“ genannt.

FRANKFURT/MAIN (Kleines Haus):

„1913“ von Carl Sternheim

Auf deutschen Bühnen findet augenblicklich eine Sternheim-Renaissance statt. Unsere neue Wohlstandsgesellschaft scheint den Resonanzboden zu bilden für Satiren, die vor und im Ersten Weltkrieg aktuell waren, deren geschliffene Kunstsprache und ausgewogene Dramaturgie manche Stücke Sternheims aber auch heute noch (oder wieder) tragen, und zwar als Farcen mit „V-Effekt“ (Verfremdung). Aus der Trilogie eines „bürgerlichen Heldenlebens“ der Familie Maske ist – nach der „Hose“ und dem „Snob“ – jetzt das Schauspiel „1913“ in München, Berlin und Frankfurt am Main zu sehen. Erwin Piscator inszenierte (wie im November 1960 an den Münchener Kammerspielen) das Stück, wiederum mit H. W. Lenneweit als Bühnenbildner, jetzt von neuem in Frankfurt, wo Friedrich Kolander den alten Exzellenz und Fabrikherr gewordenen „Snob“ von einst spielt. Seine Kinder: Ernst-August Schepmann und Rosemarie Gerstenberg (Sofie). Jac

MÜNCHEN (Kammerspiele):