DIE ZEIT

wer....was....wo....warum...

De Gaulle hatte angekündigt, er wolle Ende September auf die Sondervollmachten verzichten, die ihm im April während des Algerien-Putsches erteilt worden waren.

Koalitions-Kummer in Bonn

Anderthalb Wochen nach der Bundestagswahl war noch immer nicht erkennbar, welche Parteien die nächste Bundesregierung tragen werden.

Laute Worte...

Kommen Ost und West einander in der Deutschlandfrage näher? Es hat nicht den Anschein, wenn man nur nach den harten Worten urteilt, die die Vertreter der Großmächte vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen gewechselt haben.

Verantwortungslos

Im Namen der Freiheit sind in der Geschichte viele versklavt worden. Im Namen des Patriotismus wurde so manches Vaterland zugrunde gerichtet, denn vom Nationalen zum Nationalistischen ist nur ein Schritt, und von dort bis zum Abgrund ist der Weg nicht weit.

Verraten und verkauft?

Die Berliner Cocktail-Party des Generals Lucius Clay hat die Gemüter allenthalben heftig in Wallung gebracht. Es gab viel Bestürzung, es gab bittere, leidenschaftliche, ja gehässige Proteste.

Zeitspiegel

Prokommunistische Kräfte in der Regierung von Ghana arbeiten nach Meldungen des „Sunday Telegraph“ planmäßig darauf hin, die Beziehungen des Landes zu Großbritannien zu verschlechtern.

Zerfällt die GDP?

Schon eine Woche nach der Bundestagswahl sind in der Gesamtdeutschen Partei, jener aus BHE und DP entstandenen Notgemeinschaft zur Sicherung von Mandaten, die ersten Zerfallserscheinungen Aufgetreten.

NACH HAMMAESKJOLDS TOD:: Das leere Zimmer im 38. Stock

Das Büro des Toten im 38. Stock, dem obersten Stockwerk im Gebäude der Vereinten Nationen, ist verschlossen. Ein Mann mittleren Alters, der die blau-goldene Uniform der UN-Sicherheitskräfte trägt, steht Wache vor der polierten Holztür.

Wenn de Gaulle die Marseillaise singt...

Präsident de Gaulle hatte seinen Besuch angekündigt. Das Städtchen hatte sich herausgeputzt, in Festschmuck geworfen, die historischen Denkmäler ins rechte Licht gerückt.

Wiedervereinigung in Kamerun

Der erste Oktober wird in der ehemals deutschen Kolonie Kamerun zum Tag der Wiedervereinigung werden: Das unter britischer Verwaltung stehende Südkamerun wird mit der Republik Kamerun in Zukunft einen Staat bilden.

Aus der Sackgasse heraus?

Der amerikanische Präsident hat vor der UN-Vollversammlung einen kühnen und umfassenden Abrüstungsplan entwickelt; der sowjetische Außenminister hat ihn am Tage darauf schlankweg abgelehnt und hat abermals auf die Annahme des alten sowjetischen Planes gedrängt.

Ernst Blochs gescheiterter Versuch

Mit Professor Bloch, dessen Absage an Walter Ulbrichts Staat wir in der vorigen Woche veröffentlichten, haben die Zonenmachthaber ein geistiges Aushängeschild verloren.

Im Brennpunkt der Welthändel

Mit 92 Stimmen ist der 53jährige Tunesier Mongi Slim zum Präsidenten der 16. Vollversammlung der Vereinten Nationen gewählt worden.

Gewehr bei Fuß

In Elisabethville fallen keine Schüsse mehr. Der Katanga-Präsident Tschombé und der UN-Beauftragte Khiari haben sich auf einen Waffenstillstand geeinigt.

Was ist eine „freie Stadt“?

In der sowjetischen Note vom 27. November 1958 fiel im Zusammenhang mit Berlin zum erstenmal das Wort „Freie Stadt“. Seither geistert es durch viele Vorschläge und Reden, gelegentlich zum Begriff der „offenen Stadt“ abgewandelt – womit wohl gemeint ist: offen nach allen Seiten – oder auch zu der Vorstellung „internationalisierte Stadt“.

„Weicher Atlantismus”

Italien scheint das erste Opfer des von Moskau entfesselten Nervenkrieges zu werden. Immerhin stellen die politischen Beobachter die ersten Zeichen eines Umschwungs der außenpolitischen Haltung Italiens fest.

Hessen: Das „Kalkmännchen“

In zwei Wochen wird es feststehen, wem die Rechnung für den Heidelberger Bauskandal präsentiert wird. Am 13. Oktober verkündet die Zweite Zivilkammer des Landgerichts in der „Stadt der verlorenen Herzen“ ihre Entscheidung im „Kalkmännchen-Prozeß“.

Hamburg: Kulinarisches Refugium

Ich habe etwas übrig für eine stilvolle Atmosphäre. Und die war mir versprochen worden – in einem Pavillon-Restaurant an der Außenalster.

Die Angst um den Führerschein

Vor Gericht erschien, ein wenig blaß und hinfällig, Horst Buchholz, deutscher Filmschaffender, nicht vorbestraft, angeklagt der fahrlässigen Verkehrsgefährdung.

Schleswig-Holstein: Juristenstreit um 85 Schafe

Der Flensburger Ortsverband des Deutschen Tierschutzbundes will die gesamte Bevölkerung der Grenzstadt zu einer Massendemonstration aufrufen, wenn im Flensburger Schlachthof noch einmal 85 Schafe rituell geschlachtet werden – „geschachtet“, wie der Fachausdruck dafür lautet.

Hamburg: Städtchenverkehr

Es gab einmal eine Zeit, da mußten sich die Stadtväter kleiner Orte noch den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ein dünnes Rinnsal vom großen Fremdenstrom vielleicht auch in ihren Ort würden leiten können.

An Einsicht fehlte es nicht

Eine neue Diskussion über Berlin ist im Gange. Es handelt sich um die Idee, für Berlin ein neues Statut, ein UNO-Statut, zu suchen .

Humane Träume, melancholischer Witz

Er schreibt nur Verse für Erwachsene und ebenso charmante Verse auch für Kinder. Er schreibt nur kleine Prosa, nur Geschichten, da findet man nur Charme, nur Grazie, nur stille und lächelnde Weisheit, nur freundliche Erfahrung, nur ein schönes, munteres, witziges Vergnügen an Menschen, an Landschaften, an Geschichten und neuen Geschichten, nur das Spiel echter Gefühle.

Mein Bild

Mein Lieblingsbild? Die Antwort fällt mir nicht schwer, ich brauche keine Sekunde zu zögern. Zwei Jahre hängt der Holzschnitt „Schwarzer Odysseus“, eine Komposition in Rosa, Stahlblau und Schwarz, nun schon in unserer Wohnung, und es vergeht kaum eine Woche, in der ich dieses 1958 entstandene Bild von hap grieshaber nicht in anderer, neuer Beleuchtung erblicke.

Musiker über Musiker

Wenn Musiker beieinandersitzen, reden sie über Musik. Das scheint auf den ersten Blick selbstverständlich. Aber es ist mehr als Selbstverständlichkeit: es ist Monomanie.

Hüben und drüben: Stallburschen

Daß Berlin heute überall in Deutschland liegt, spüren das unsere Schriftsteller nicht? Daß ein Toter im Teltowkanal, am Main oder am Tegernsee nicht wieder aufwacht – sie wissen es wohl nicht.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT, leicht gekürzt, den „Gargantua“ und die vier Pantagruel-Bücher des Geistlichen, Arztes und Hofmannes Rabelais in der erstaunlichen, farbigen, ganz und gar nicht schulmeisterlichen, sehr geschickt archaisierenden Übersetzung von Engelbert Hegaur und Dr.

Frankreichs Uhren gehen auch nicht anders

In den zwanziger Jahren erfand man in Deutschland die „Auslandskunde“ als neue Wissenschaft und entdeckte den westlichen Nachbarn als interessantes Studienobjekt.

Siegfried Lenz als Dramatiker

Der Hamburger Erfolg des Stückes „Zeit der Schuldlosen“ läßt noch Wünsche und Möglichkeiten offen

Was bedeutet Bloch bei uns?

Ernst Bloch hat Leipzig verlassen, wird in Tübingen bleiben und nicht mehr in die DDR. zurückkehren: Das ist kein Grund zum Triumphieren, wenn man bedenkt, daß ein alter Mann, 76jährig, zum zweiten Male Haus und Heimat verlassend, ins Ungewisse gehen mußte (denn was erwartet ihn bei uns?) und nichts weiter mitnehmen konnte als ein paar Manuskripte, Notizhefte, Colleg-Aufzeichnungen, Dokumente und Bilder.

Zeitmosaik

In unserer verdrehten Welt sind diejenigen, die Macht haben über Leben und Tod des ganzen Menschengeschlechts, in der Lage, fast die Gesamtheit der Bevölkerung in Ländern, wo theoretisch Presse- und Redefreiheit besteht, davon zu überzeugen, daß jeder, der das menschliche Leben zu schützen wünscht, ein Verrückter sein muß.

Die schönsten Schallplatten

Hier haben wir die dritte vollständige Darstellung (das zweite Buch wird in Kürze erscheinen) dieses Inauguralwerkes einer neuen Zeit.

Eine neue deutsche Oper

Das Hauptereignis der 11. Berliner Festwochen fand gleich am Anfang statt. Es war die Einweihung des Opernhaus-Neubaus. Die Eröffnungspremiere, Mozarts „Don Giovanni“, war geladenen Gästen vorbehalten.

Herr Weder-Noch

„Wir sind blockfrei, wir sind nicht neutral“. „Entschuldigen Sie diesen Lapsus“, rief ich und quetschte erregt seine Hand, „daß Sie nicht neutral sind, das hätte ich ja spätestens nach Ihrer Stellungnahme zu den sowjetischen Atomversuchen merken müssen.

Kleiner Kunstkalender

Als Henry Miller, amerikanischer Romancier und Provokateur konventioneller Gesellschaft, im vorigen Jahr in Deutschland war, wollte er Willibald Kramm kennenlernen, weil er ihn zu den besten deutschen Malern unserer Zeit zählt.

Nachwuchs in der Feuerprobe

Die geistige, soziale und wirtschaftliche Struktur verführt heute große Teile der heranwachsenden Jugend, ihr Wirkungsfeld mehr im lukrativen „job“ als im verpflichtenden Beruf zu suchen.

Ein sanfter Wüterich

Martin Walser geht auf keine Kuhhaut, schon gar nicht auf die der literarischen Fünf-Uhr-Causerie. Seine Kritiker machen nicht selten einen zerrauften Eindruck.

Onkel Wackelpeter in Connecticut

Geschichten aus dem „New Yorker“, dem zwar bissigen aber immer stubenreinen und hochvornehmen satirischen Magazin, Geschichten aus der großstädtischen Landschaft New Yorks, in der sich Kinder zwischen Linnit-Seifen-Reklamewand und Washington-Brücke verirren, an Huhn-Sandwichs aus dem drugstore würgen und in der die Herzen höher schlagen, wenn der Name der New Yorker Giants, des berühmten Baseball-Klubs, fällt: das sind die Kurzgeschichten des Amerikaners Jerome D.

19. September, Das Hörspiel:: „Die Düsendschunke“

Daß der schier aussichtslose Kampf von zwölfhundert Einwohnern eines Dorfes in vorderster Front, nämlich in der Anflugschneise des Londoner Flughafens, gegen nächtlichen Düsenradau so ziemlich umgehend erfolgreich ist, grenzt ans Märchenhafte.

Film

„Lieben Sie Brahms?“ (USA, Verleih: United Artists): Da haben wir den Edelkitsch. Unter dem Titel „Goodbye Again“ machte Produzent und Regisseur Anatole Litvak aus dem Roman der Françoise Sagan vollends ein Melodrama.

Fünftagewoche für Wiener Walküren

Am Beginn der neuen Theatersaison erhitzten sich in Wien die Gespräche an der Fünftagewoche für Walküren. An der Staatsoper hatte Karajan eine vollständige „Ring“-Aufführung angekündigt.

Theater

An der von deutschen Nachkriegsressentiments befreiten Bühnenrevision des Schauspiels von der Absurdität persönlicher Allmacht beteiligte sich die Stroux-Bühne mit einer Inszenierung, in der Jean-Pierre Ponnelle, der junge französische Bühnenbildner, als Regisseur debütierte.

Fernsehen: Wolfes „Engel“ statt Raabes „Gänse“

Als vor ein paar Jahren Ketti Frings’ Dramatisierung des Romans „Schau heimwärts, Engel“ von Thomas Wolfe im Berliner Schiller-Theater uraufgeführt wurde, war die Kritik ziemlich mißmutig: Vom aufbegehrenden, lyrisch gesteigerten Pathos des großen Amerikaners sei hier nicht viel mehr übriggeblieben als Streit und Trunksucht.

Auto, wohin rollst du?

Im Hintergrund vermittelt eine Spiegelwand den Eindruck einer endlosen Kolonne von Volkswagen. Davor dreht sich das Dioskuren-Paar aus Wolfsburg umeinander: der bekannte Volkswagen und der neue VW 1500.

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