Die Zeit schritt fort. Marion sparte und legte eine Million zur anderen, wie das bei einem klugen Mädchen, dem eine dürftige Jugend in einer dumpfen Brooklyner Seitenstraße unvergessen blieb, nicht ungewöhnlich ist. Unterdessen baute Hearst seinen riesigen Besitz von San Simeon immer weiter aus. Auch dieses phantastische Gut, das 270 000 Morgen an der kalifornischen Küste umfaßte, entsprach jenem Hearst, der die Knabenträume, die er aus seinen Kinderbüchern gesogen hatte, nicht vergessen konnte. San Simeon, dessen „Königin“ Marion Davies wurde, war ein Gemisch von Parks, Wäldern, Villen, Schlössern, Nachbildungen alter Tempel, Statuen-Gärten, deren Erwerb und Aufstellung viele Millionen kostete. Hier und in Hollywood hielt Marion Davies Hof, freundlich, großzügig, vielen Menschen helfend und nicht nur von Höflingen und Speichelleckern, sondern auch von zahllosen Arbeitern und Arbeiterinnen in den Film-Ateliers verehrt, mit denen sie sich an den Küchentisch setzte, um zu beraten und in den meisten Fällen auch zu helfen.

Marion Davies hat Hearst nie heiraten können. Aber er hatte versprochen, eines Tages seine Freundin nicht nur dafür zu entschädigen, daß sie ihm einmal, als sein Zeitungsreich in Gefahr war, eine Million Dollar ohne Quittung geborgt hatte, sondern auch dafür, daß sie immer ein „illegales Leben“ hatte führen müssen. Eines Tages war es dann so weit, daß der nun schon 88 Jahre alte Mann endgültig von der Welt Abschied nehmen mußte. Marion Davies saß in der Klinik an seinem Bett. Sie wachte die Nacht hindurch, nahm dann gegen Morgen ein Schlafmittel, und saß schlummernd in der Zimmerecke, als der Mann, mit dem sie 32 Jahre zusammengelebt hatte, seinen letzten Atemzug tat. Als sie aufwachte, hatten Hearsts Söhne schon den Leichnam des Vaters entfernt. Niemand hatte Marion geweckt. Das Krankenzimmer war leer. Auf dem Tisch neben dem Totenbett lag nur eine Visitenkarte des Generals MacArthur und ein Photo von Marion Davies, das er immer bei sich gehabt hätte und das auf der Rückseite ein Zitat aus Romeo und Julia trug:

My bounty is as boundless as the sea,

My love as deep; the more I give to thee

The more I have, for both are infinite.

Hatten noch am Tage vorher die Hearst-Zeitungen jede Phase ihres Alltags notiert, so war der Name Marion Davies jetzt plötzlich aus den Blättern verschwunden; selbst die beiden Freiexemplare, die sie erhalten hatte, lagen morgens nicht mehr auf der Schwelle ihres Hauses. Keiner aber wußte, daß der Verstorbene sie zum Boß über das gesamte Redaktionswesen gemacht hatte. Die Millionen waren an seine Witwe, seine fünf Söhne und an Wohltätigkeits-Institute verteilt worden, Marion Davies aber sollte laut Testament die sieben Exekutivbeamten Hearsts ersetzen, die die Treuhänder des Unternehmens gewesen waren. Sie erhielt fünfzehn Prozent der Vorzugsaktien des Hearst-Konzerns, sollte aber die Stimmrechte für alle 100 000 gewöhnlichen und für die verbleibenden 85 Prozent der Vorzugsaktien haben, die der alte Hearst selbst besessen hatte. Marion Davies, die nach dem Tode vierzehn Tage lang geschnitten worden war wie ein entlassenes Dienstmädchen, hatte die Macht, alle Beamten und Direktoren des Unternehmens zu ernennen.

Es kam dann später zu einem Vergleich zwischen ihr und den Söhnen Hearsts, in dem sie erklärte, sie habe volles Vertrauen, daß die Söhne die Zeitungspolitik ihres Vaters in seinem Sinne weiterführen würden. Nominell blieb sie ein „official Consultant and adviser to the Hearst Corporation widmete sich aber vor allem ihrer vielfältigen Wohltätigkeitsarbeit, zu der besonders der Unterhalt und die Verwaltung einer großen Kinderklinik gehörten, die rund zwölftausend Kinder im Jahr versorgt.

Zwei Monate nach dem Tode Hearsts heiratete Marion Davies den ehemaligen Marine-Offizier Horace Brown, der ein „stunt man“ in Hollywood gewesen war und mit dem sie eine stürmische Ehe führte. Zweimal wollte sie sich scheiden lassen, zweimal scheute sie davor zurück. Das Konto des Kapitäns Brown aber, der aus dem gleichen Dunkel kam wie Marion Davies, ist in diesen Tagen um eine ganze Anzahl von Millionen angewachsen.