J. J., Brüssel

Entgegen den düsteren Voraussagen, die vor einem Jahr laut wurden, hat Belgien den plötzlichen Verlust seiner einzigen Kolonie, des Kongo, ohne nachhaltige Schäden an seiner wirtschaftlichen Gesundheit überstanden. Das im Grunde kerngesunde Land hat sich nicht nur rasch, sondern auch gründlich erholt.

An erster Stelle unter den günstigen Anzeichen steht die Tatsache, daß die Gold- und Devisenbestände der belgischen Nationalbank in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. August 1961 um rund 2 Mrd. bfrs. oder 3 vH zugenommen haben. Dieser Zuwachs geht ganz auf Rechnung der konvertierbaren Valuten, während der Goldvorrat, wie auch der Bestand an nicht-konvertierbaren Währungen, leicht zurückgegangen ist.

Die vor kurzem erfolgte Diskontsenkung von 5 auf 4,75 vH ist allgemein als ein Ausdruck wachsenden Vertrauens in die wiedergewonnene Stabilität des Landes gewertet worden. Der belgische Franc hat den leichten Schwächeanfall, den er auf dem Höhepunkt der Kongokrise erlitten hatte, längst überwunden und gilt jetzt wieder als eine der härtesten Währungen der Welt.

Ein beachtlicher Aufschwung der Industrieproduktion in den letzten Monaten hat den vorübergehenden Ausfall, der erst durch den Verlust des Kongo-Marktes, dann durch die Streikbewegung im Januar und die damit verbundene politische Krise entstanden war, wettgemacht. Die Stahlerzeugung, die im Januar zeitweise auf ein Fünftel des Normalen abgesunken war, weist für die darauffolgenden fünf Monate einen Zuwachs um 15 vH gegenüber dem Vorjahr auf. Der Energieverbrauch im ersten Halbjahr 1961 liegt ebenfalls um 15 vH über dem Stand des Vorjahrs.

Dank dem beträchtlich erhöhten Steueraufkommen, das teils eine Folge der wirtschaftlichen Erholung, zum Teil aber auch auf Mehreinnahmen aus erhöhten Steuersätzen zurückzuführen ist, wird für das laufende Haushaltsjahr mit einem Defizit im Gegenwert von nur 1,4 Mrd. DM, gegenüber guten 2 Mrd. DM im Jahre 1960 gerechnet.

Der Abbau der belgischen Kohlenhalden im Juli d. J. liegt mit 4,2 vH weit über dem Durchschnitt für alle Länder der westeuropäischen Gemeinschaft. Damit sind die belgischen Bestände zum erstenmal seit 1958, dem Jahr, in dem die Kohlenabsatzkrise begann, unter 6 Mill. Tonnen gesunken.